Wie ein lieblicher, kleiner Engel lag dann das besinnliche Trinchen auf seinem letzten Lager, und das ganze Dorf kam herbei, und man brachte die letzten bunten Herbstblumen, und zuletzt war Trinchen fast ganz von Blumen bedeckt. Ganz bescheiden, verborgen unter einem weißen Asternkranz lag ein Strauß Waldblumen. Einige blaue Glockenblumen, rote Brombeerblätter, Kleeblüten und Gräser hatte Traumfriede mühsam zusammengesucht und dem Trinchen gebracht. Und als die Kleine begraben wurde, da saß er, der nicht mit hatte auf den Friedhof gehen können, weil er keinen Sonntagsanzug hatte, in der kleinen Höhle im Steinbruch, und er meinte, das Herz müsse ihm brechen.
Eine aber hatte gesehen, wie Friede schüchtern Trinchen den Waldblumenstrauß brachte. Das war Muhme Lenelis, und seitdem dachte die alte Frau manchmal an den Waisenknaben. – Doch das gehört in eine andere Geschichte.
Das besinnliche Trinchen wurde nicht vergessen. Alle, die es gekannt hatten, merkten nun erst, da die Kleine tot war, wie lieb sie ihnen gewesen war.
In der Mühle lag zu Weihnachten ein dicker, kleiner Junge in der buntbemalten Wiege und schrie vergnügt in die Welt hinein. Nach einem Jahr lag ein Mädel darin, und so fort, lauter lustige, pausbäckige Müllerkinder waren es, und die Eltern hatten Freude und Sorge mit ihnen. Über der eigenen Kinderschar aber vergaß die Müllerin nie das scheue, blasse Trinchen. Unvergessen lebte das Kind in ihrem Herzen.
Und auf dem Schreibtisch des Lehrers nimmt Trinchens Federkästchen noch heute einen Ehrenplatz ein.