An einem sehr heißen Julitag befand sich ganz Oberheudorf in Aufregung; an diesem Tage wurden nämlich die ersten Sommerfrischler erwartet, die allerersten überhaupt, denn es waren noch nie welche dagewesen. Ein Sommerfrischler war also den Dorfbewohnern ein ganz unbekanntes Ding.

„Was sie nur hier wollen?“ fragte der dicke Friede, der im Kreise seiner Kameraden am Dorfeingang unter der großen Linde saß. Dort wollten die Kinder die fremden Gäste erwarten. Wann sie ankamen, wußte niemand genau. Der Wirt Kaspar auf dem Berge hatte gesagt, es könne auch sein, daß sie erst morgen kämen.

Annchen Amsee hielt ihre Schürze vor das Gesicht und kicherte: „Sie – sie – wollen frische Luft haben!“

„So dumm!“ brummte Schulzens Jakob. „Gibt's denn die in der Stadt nicht?“

Außer Heine Peterle war noch keines von den Kindern in der Stadt gewesen, also schauten alle den Buben an und fragten: „Weißt du's nicht?“

„Häuser gibt's da,“ knurrte Heine Peterle und wurde feuerrot. Er war wütend, daß er nach der Stadt gefragt wurde. Wie konnte er wissen, ob es dort Luft gab! Die Sommerfrischler ärgerten den armen Heine Peterle ohnehin gewaltig. Zwei von ihnen kamen nämlich nirgends anders hin als in sein Vaterhaus. Der Gastwirt hatte nicht Platz genug für fünf Gäste, und da Heine Peterles Mutter seine Schwester war, hatte diese sich erboten, zwei Fremde bei sich unterzubringen. Im Giebel des Hauses lagen zwei unbewohnte Stuben, die waren sauber hergerichtet worden. Dort sollten die Fremden wohnen. Drei Tage lang war gescheuert und geputzt worden, und Heine Peterle hatte dabei so viele Ermahnungen bekommen, ungeheuer brav zu sein, wenn die Fremden erst da wären, daß ihm vor seiner künftigen Bravheit schon himmelangst wurde.

„Erzähl noch was von der Stadt!“ mahnte auch noch Annchen Amsee.

Heine Peterle seufzte schwer, erstens wegen der Stadt und dann, weil er zu Mittag schrecklich viel süßen Reis gegessen hatte und nun müde und faul war. Er stand darum auf und sagte patzig: „Ich geh' heim. Die Stadtleute kommen doch noch lange nicht, und überhaupt ist mir's zu dumm, hier zu warten!“ Damit trollte er ab, und seine Gefährten riefen ihm neckend nach: „Geh nicht in die Stadt, Heine Peterle!“

Da ging der Bube freilich nicht hin, sondern nach Hause; er war so müde, als wäre es Abend und nicht hellichter Mittag. Als er heimkam, stand Muhme Rese an der Haustür und sagte: „Heine Peterle, kannst kommen und mir Bohnen pflücken helfen!“

„Und hernach kannst du in den Hühnerstall gehen und die Eier holen,“ rief seine Mutter von der Küche her, „und hier trag erst mal den Eimer in die Gaststube. Die Stadtleute werden wohl noch nicht kommen, es soll aber alles fertig sein.“