Dideldideldi, dideldideldi, dideldideldi! ging das Karussell schneller und schneller, und das braune Pferd hopste und nickte wie toll, und auf einmal gab es einen heftigen Stoß, und der Waldhüter flog in einem großen Bogen herunter, dem Schuster Pechdraht, der auch zusah, gerade in die Arme.
„Uff!“ machte der, denn er wäre beinahe hingefallen, dann aber preßte er den Waldhüter fest an sich und rief schmunzelnd: „Schön guten Tag, schön guten Tag! Warum denn heute so freundlich?“
Wütend riß sich Leberecht Sperling los, den allezeit lustigen Schuster konnte er am wenigsten von allen Oberheudorfern leiden. Ohne sich umzusehen, lief er davon und flüchtete in das Bier-, Würstchen- und Semmelzelt, und die Kinder bekamen ihn an diesem Tage nicht mehr zu sehen.
Sie vermißten ihn auch gar nicht in ihrem Vergnügen. Die Wogen der Freude gingen hoch an diesem Tage, und die Oberheudorfer Kinder waren so lustig, daß sie sich nicht einmal mit den Niederheudorfern über die Vorzüge ihrer Dörfer stritten.
Nachdem sie alle Karussell gefahren waren, fanden sie, es wäre gut, erst einmal die Schätze der Pfefferkuchenfrau zu betrachten. Sie liefen alle zusammen an die Bude, und es fehlte nicht viel, so hätten sie die Bude samt Pfefferkuchen und Verkäuferin umgerissen. Die Frau erhob ein Zetergeschrei, nahm einen großen Rohrstock und wehrte sehr entschieden allzu eifrige Käufer und Begucker ab.
Das war auch notwendig, denn die Oberheudorfer Kinder waren der Ansicht, daß, wenn einer für fünf Pfennig Zuckerstangen oder gar für zehn Pfennig gebrannte Mandeln kaufte, er auch vorher kosten dürfe. Aber davon wollte die Pfefferkuchenfrau nichts wissen. „Kosten kost' 'nen Fünfer,“ schrie sie und klappste den dicken Friede auf die Hand, weil der eine besonders gute Sorte Bonbons probieren wollte.
„Die ist aus der Stadt, da sind die Leute so frech!“ sagte Heine Peterle wütend, weil ihm die Frau auf seinen Einkauf für fünf Pfennig nichts zugeben wollte.
Die Mädel waren besonders fürs Zugeben eingenommen, und Tischlers Liese sagte, wenn sie mal Pfefferkuchenfrau wäre, sie würde gewiß immer zugeben. Doch die Pfefferkuchenfrau auf dem Niederheudorfer Festplatz hatte entschieden ein steinernes Herz: sie gab nichts zu, ließ nicht kosten und nicht handeln, und es dauerte daher ziemlich lange, bis die Kinder ihre Einkäufe gemacht hatten.
Im Kasperle-Theater hatte das in roten Hosen steckende Kasperle schon etliche Male gerufen: „Seid ihr alle da?“ ehe es die Antwort erhielt: „Ja, wir sind da!“
Es war ein urkomisches Kasperle, das sich da, wenn der blau und gelb gestreifte Vorhang aufgezogen wurde, mit dem Teufel, seiner Frau und all den andern Personen des Puppentheaters herumzankte. Es begrüßte die Kinder immer mit dem freundlichen Zuruf: „Na, ihr Dösköppe, wollt ihr Haue?“