Annchen Amsee, die auf einer Bretterplanke saß, strich sich ihr Kleid glatt und meinte: „Eine Gräfin möchte ich schon spielen!“
Der blaugelbe Vorhang teilte sich ein wenig, Kasperle steckte seine große Nase heraus und jammerte: „Oh jerum, jerum dideldum, Kasperle hat Hunger. Knurr schnurr! Hört ihr, wie mein Bäuchlein knurrt?“
Die Kinder lachten, doch der dicke Friede besann sich nicht einen Augenblick, rasch warf er Kasperle seinen schönen Pfefferkuchen zu.
„Der schmeckte dir wohl nicht?“ fragte Annchen Amsee verdutzt, und Schulzens Jakob forschte: „Dir ist wohl schlimm?“
Daß der dicke Friede freiwillig etwas Eßbares verschenken konnte, das erschien den Kindern zu verwunderlich. Doch da der Vorhang wieder aufgezogen wurde, verstummte das Gespräch, und Kasperle, der erklärte „bumssatt“ zu sein, lenkte die Aufmerksamkeit wieder auf sich.
Während die Kinder vor dem Puppentheater standen, hatten die Erwachsenen nach dem Vogel geschossen. Jeder Schuß wurde mit Beifallsrufen begleitet. Dazu erklang die Musik des Karussells. Vor dem Bier-, Würstchen- und Semmelzelt spielte ein Mann eine Ziehharmonika, und das jauchzende Gelächter der Kinder schallte über den Festplatz. Es war also ziemlich geräuschvoll, und die braven Niederheudorfer Rinder, Pferde, Schweine, kurz alles Getier, wunderte sich recht über den Lärm. Die Kettenhunde bellten, und in den Ställen brummten die Rinder, während die Hühner aufgeregt gackerten und das Eierlegen vergaßen.
Der Lärm drang bis zu einer eingezäunten Wiese, auf der mehrere junge Rinder weideten. Der Hütejunge, der aufpassen sollte, war heimlich auf den Festplatz gelaufen. Ein junger Ochse fand, daß es ganz leicht sei, die nur angelehnte Tür des Gatters aufzustoßen, und unverzagt machte er sich ebenfalls auf den Weg nach dem Festplatz. Je näher er kam, desto lauter wurde die Musik. Das ärgerte ihn, und in ziemlicher Wut kam er zu den vergnügten Leuten.
Ein wütender Ochse ist aber mitunter recht gefährlich, und bei seinem Nahen erhob die Pfefferkuchenfrau, an der er vorbeistürmte, ein lautes Geschrei. Der Ochse jedoch fand die Schätze der Pfefferkuchenfrau nicht verlockend und rannte weiter. Einige Mägde flüchteten schreiend vor ihm in das Bier-, Würstchen- und Semmelzelt. „Ein Ochse kommt, ein Ochse kommt!“ Der Waldhüter steckte vor Schreck den Senflöffel in den Mund und warf eine Wurst ins Bier, einige Frauen kletterten auf die Tische, – aber kein Ochse erschien.
Der würdigte das Zelt keines Blickes, sondern trabte im Sturmschritt auf das Puppentheater zu. Dort deklamierte Kasperle gerade:
„Mein werter Herr Teufel,
Sie sind sehr frech ohne Zweifel,
Ich reiß' Ihnen jetzt die Nase ab
Und“ – – –