Buh, buh, steckte der Ochse seinen Kopf in das Puppentheater hinein, und mit einem gellenden Schrei purzelten Kasperle, Teufel und die gefangene Prinzessin in die Tiefe.
Das Theater wackelte.
Der Ochse und die Kinder brüllten. Der Budenbesitzer flüchtete – es war eine heillose Verwirrung.
Der dicke Friede war unsanft aus seinem Entzücken gerissen worden, und wütend über die unerwartete Störung sprang er auf, nahm eine Latte, die nicht weit von ihm lag, rannte auf den Ochsen los und schlug diesen auf die Nase. „Raus!“ rief er, „hast hier nichts zu suchen! Raus, raus!“
Der Ochse sah ganz verdutzt auf den kleinen zornigen Bengel, der krebsrot vor Wut war, machte noch einmal „buh“ und trabte dann wirklich davon. Ehe er ein Unheil anrichten konnte, wurde er eingefangen und in seinen Stall zurückgeführt.
Der dicke Friede, der durch seinen Mut eine große Gefahr beseitigt hatte, kehrte gelassen auf seinen Platz zurück und rief, als sei nichts geschehen: „Weiter!“
Kasperle lag freilich noch ganz matt da, und es dauerte eine ganze Weile, bis er sich erholt hatte und sich weiter mit dem Teufel zanken konnte, dann aber konnte das Spiel ohne Unterbrechung zu Ende geführt werden.
Friede bekam dann von seinem Vater zur Belohnung für seinen Mut noch einen Vogelschießgroschen, mit dem er zur Pfefferkuchenfrau eilte, denn auf einmal fühlte er wieder ein Loch in seinem Magen, in das gerade ein Pfefferkuchen hineinpaßte.
All die laute, jubelnde Festesfreude konnte die Sonne nicht am Zubettgehen hindern. Rutsch! fiel sie hinter rosenroten Wölkchen herunter, und die Dämmerung kam. Auf dem Festplatz erhob sich lautes Wehklagen. Alle Oberheudorfer Kinder fanden, es sei noch ganz hell, obgleich die Mütter ihre Buben und Mädel kaum noch voneinander unterscheiden konnten. So zog Schulzen Jakobs Mutter Anton Friedlich an den Ohren, weil sie dachte, er sei es gewesen, der allen mitgebrachten Kuchen aufgegessen hatte, und die Waldbäuerin schalt Krämers Trude aus ob des zerrissenen Kleides, aber da Trude ihr Kleid auch zerrissen hatte, schwieg sie still, während Anton schrecklich brüllte.
Alles Wehklagen half aber nichts, die Kinder mußten heimziehen. Jedes zündete seine Laterne an. Da gab es rote, blaue, grüne oder papageienbunte Laternen, und die Niederheudorfer Kinder beneideten die Oberheudorfer beinahe um den Heimweg.