„Ihr könntet auch mal was haben, damit wir von euch mit Laternen wegziehen könnten,“ riefen einige Niederheudorfer Buben.
Schnipfelbauers Fritz, der größte Naseweis im Umkreis von zehn Meilen, rief schnell: „Ei, dann kommt doch in vierzehn Tagen, da gibt's ein großes Kinderfest bei uns. Gelle, Anton?“
Und Anton Friedlich, der auch immer zu einem dummen Streich aufgelegt war, sagte: „Freilich, freilich! Ja, wißt ihr denn das noch nicht? Kommt nur alle!“
Bumbum, bumbum! schlug Schulzens Jakob auf seine Trommel, das war das Zeichen zum Abmarsch, und singend zogen die Oberheudorfer von dannen. „Wir kommen,“ brüllten ihnen die Niederheudorfer Buben nach, und Fritz und Anton riefen keck: „Auf Wiedersehen!“
Der Heimweg war so schön wie der Tag; kein mißgünstiger Platzregen löschte die Laternen aus, und einige brannten sogar bis Oberheudorf. Viel Licht, um ins Bett zu gehen, brauchte an diesem Abend keines von den Kindern. Sie fielen fast in die Betten, so müde waren sie, und schliefen so fest, daß man das ganze Dorf hätte wegtragen können, ohne daß sie es gemerkt hätten.
Am nächsten Tage redeten sie nur von dem Fest. Jeder hatte noch etwas zu erzählen, und am liebsten wären sie alle am Nachmittag wieder nach Niederheudorf gezogen.
Am Nachmittag wollte des dicken Friede Mutter im Baumgarten Wäsche abnehmen. „Lina,“ rief sie der Magd zu, „hier fehlt doch eine von meinen bunten Nachtjacken und ein Käsebeutel. Wo mag denn das nur sein?“
„Kann sein, der Wind hat's über den Zaun geweht,“ sagte die Magd und begann zu suchen. Auf einmal kam sie zitternd angelaufen. „Frau,“ schrie sie, „Frau, unser Friede ist toll geworden!“
„Was schreist du denn so?“ fragte der Bauer, der zum Fenster heraussah.
„Unser Friede ist toll geworden!“ jammerte die Magd und lief zum Garten hinaus, und Bauer und Bäuerin rannten hinter ihr her.