Sie kamen an einen Holzschuppen, da stand der dicke Friede auf einem umgestülpten Wagen. Er hatte die bunte Nachtjacke seiner Mutter an und den Käsesack auf dem Kopf. Er zappelte mit Armen und Beinen, einmal hopste er wie ein Frosch, dann wieder wand er sich wie ein Regenwurm. Dazu schnitt er die gräßlichsten Gesichter und quiekte wie eine Maus, die in der Mausefalle sitzt.
„Du lieber Himmel!“ schrie die Bäuerin händeringend. „Was soll denn das sein?“
Friede sah entsetzt auf die unerwarteten Zuschauer und verschwand plötzlich hinter dem Wagen. Sein Vater aber zog ihn rasch hervor und fragte sehr nachdrücklich: „Gleich sagst mir, was das für Dummheiten sind!“
„Er ist toll geworden,“ jammerte die Magd, „meine Güte, der arme Bub!“
„Ich – ich bin nicht toll, ich – ich möcht' 'n Kasperle werden,“ rief Friede schluchzend.
„Ein Kasperle?“ Der Bauer lachte laut auf. „Ich meine, du brauchst keins zu werden, du bist schon eins!“
„Die gute Jacke ist ganz voll Wagenschmiere,“ klagte die Bäuerin und drehte ihren Buben um und um.
Lina, die nun sah, daß Friede nicht toll war, hatte alle Angst verloren, riß dem zukünftigen Kasperle die seltsame Mütze vom Kopf und eiferte: „Der Käsesack hat 'n Loch!“
Friede wurde die Sache unheimlich, er ließ sein Kasperlegewand in den Händen der Mutter und nahm schleunigst Reißaus; er ließ sich erst wieder sehen, als das Abendbrot auf dem Tische stand.
Am nächsten Tage kam zum Oberheudorfer Schulzen ein Bote vom Niederheudorfer Schulzen, um zu fragen, ob das mit dem Fest in vierzehn Tagen seine Richtigkeit habe. Die Niederheudorfer würden gern kommen und freuten sich schon darauf, auch einmal in Oberheudorf ein Fest mitzufeiern.