Der Schulze wurde fuchswild; er hielt die Sache für Spott und fuhr den Boten scharf an. Der überbrachte die grobe Antwort des Schulzen den Niederheudorfern, und sämtliche Dorfleute gerieten in helle Entrüstung. Gleich wurde eine noch gröbere Antwort nach Oberheudorf gesandt. Es hätte eine schlimme Geschichte daraus werden können, wenn der Pfarrer nicht herausbekommen hätte, wer die Einladung ausgesprochen hatte. Schnipfelbauers Fritz und Anton Friedlich wurden zum Schulzen beschieden, und sehr kleinlaut verließen sie nachher das Amtszimmer. Es half ihnen nichts, sie mußten eines Nachmittags nach Niederheudorf wandern und dort um Verzeihung bitten.
Es war kein leichter Gang, und Schnipfelbauers Fritz sagte heulend: „Ich geh nie wieder zum Vogelschießen!“
„Ich auch nicht,“ murrte Anton Friedlich.
Weil sie aber in Niederheudorf besser empfangen wurden, als sie gefürchtet hatten, meinten sie auf dem Heimweg, nächstes Jahr gingen sie doch wieder. Sie sollen es auch getan haben.
Muhme Lenelis und ihre Freunde.
Wieviele Freunde Muhme Lenelis hatte, das weiß ich nicht. Wenn aber in Oberheudorf einem Buben unversehens die Hosen platzten oder einem Mädchen alle Nadeln aus dem Strickzeug fielen, dann erinnerten beide sich sicher an ihre Freundschaft mit Muhme Lenelis. Es ist nicht zu sagen, wieviel Hosen die alte Frau schon in aller Freundlichkeit und Heimlichkeit gestopft hatte, und wieviel Strickzeuge unter ihren Fingern wieder in Ordnung gekommen waren.