Ein lautes Geschrei unterbrach plötzlich ihr heiteres Sinnen. Auf einem Hügel tauchten fünf Gestalten auf, die mit großem Hallo auf die einsame Wanderin zukamen. Muhme Lenelis blieb stehen und lachte, denn sie kannte die fünf gut, die dort ankamen; es waren Heine Peterle, der blaue Friede, Schulzens Jakob, Schnipfelbauers Fritz und der lange Hans, der Wirtssohn.
„Wir wollen dich heimfahren, Muhme!“ riefen alle fünf, und der kleine Holzschlitten, den sie zogen, flog hin und her wie ein Uhrenpendel.
„Ich geh lieber,“ meinte die Muhme, denn die Fahrt schien ihr etwas bedenklich.
Die fünf schrien vor Entrüstung laut auf und baten so eindringlich, daß die gute Muhme sich wirklich auf den Schlitten setzte. „Es liegt ja Schnee,“ dachte sie. „Wenn ich falle, fall' ich weich,“ und – bums! da lag sie auch schon im Graben. Mit ihrem Korbe kollerte sie ein Stück bergunter, und als sie pustend und ächzend wieder aufstand, da waren die fünf Ritter schon weit entfernt; sie hatten in ihrem Eifer gar nicht gemerkt, daß sie die Muhme verloren hatten.
„Na, solche Buben!“ meinte diese lachend, lud ihren Korb auf und eilte, so schnell sie konnte, auf einem Seitenwege ihrem Häuschen zu.
„Wir bringen Muhme Lenelis mit den Pfefferkuchen,“ schrien die fünf, als sie in das Dorf einfuhren.
Waldbauers Mariandel, die gerade hübsch artig und manierlich über die Dorfstraße ging, riß die Augen weit auf, und Annchen Amsee, die dazukam, quiekte: „Ach je, wo ist denn die Muhme?“
Schuster Pechdraht stand vor seiner Haustüre und rief auch: „Ja, wo ist denn die Muhme?“
Verdutzt hielten die fünf im Laufen inne, drehten sich um, – ja, wo war denn die Muhme?
„Wir haben sie verloren,“ murmelte Schnipfelbauers Fritz kleinlaut, und alle fünf schauten sich verlegen an. Dann aber rasten sie wie der Sturmwind zurück, um Muhme Lenelis zu suchen. Dabei erhoben sie ein so jämmerliches Geschrei, daß das halbe Dorf zusammenlief. Aus allen Häusern kamen die Leute herausgestürzt. „Was ist geschehen?“ – „Wo ist die Muhme?“