Lobte bei Tisch die Prinzessin die Pastete, so klopften sich die drei Prinzen auf den Magen und riefen vergnügt: „Aha!“ – „Oho!“ – „Hmhm!“
„Das ist mir aber doch zu dumm,“ dachte Schlampampe. „Lieber behalte ich meinen Namen, als daß ich einen heirate, der immer nur aha, oho oder hmhm sagt.“ Sie nahm daher Abschied und dankte dem alten König herzlich für seine Aufnahme. Die drei Prinzen wurden sehr traurig und riefen klagend: „Aha!“ – „Oho!“ – aber der dritte konnte nicht mehr „Hmhm“ sagen, weil ihm ein großes Stück Pastete in die Kehle gekommen war. Er mußte schrecklich husten, und als er aufhörte, war die Prinzessin schon längst fortgeritten, da rief er noch hinterher: „Hmhm!“
Schlampampe ritt weiter durch fruchtbare Täler und stille Wälder und kam endlich an einem schönen Sommerabend an ein großes, weißes Schloß, das goldene Türme und ein goldenes Dach hatte. Es funkelte im Sonnenschein so, daß Schlampampe fast geblendet wurde. Da zog die Prinzessin ein Kleid an, das rosenrot war wie ein Strauß Centifolien und goldene Borten hatte, und so geschmückt ritt sie in den Schloßhof ein.
„Das ist sicher eine Prinzessin!“ schrie der Torwächter, und Diener und Mägde liefen wieder eilfertig herbei und hoben Schlampampe vom Pferde herunter.
Da der König gerade regierte, kam die Königin herbei und begrüßte die Prinzessin und rief: „Ei, wie heißt du denn, schönes Kind?“
Schlampampe seufzte und sagte: „Ach, ich kann meinen Namen nicht sagen!“ und die Königin erwiderte freundlich: „Nun, so nenne ich dich Prinzessin Namenlos.“ Sie führte die Prinzessin in einen hohen Saal und stellte ihr dort Söhne und Töchter vor. Es waren drei Prinzen und vier Prinzessinnen, als sie sich aber alle an die Tafel setzten, sah Schlampampe, daß zwischen den Prinzen ein Stuhl leer blieb.
Sie fragte die Prinzessin Hildegund, die an ihrer linken Seite saß: „Hast du noch einen Bruder? Drüben ist noch ein Stuhl leer.“
Da fing das Prinzeßchen an bitterlich zu weinen und rief: „Ach, frage nicht, schöne Namenlos, mein armer Bruder hat ein großes Unglück zu tragen!“
Schlampampe schwieg, aber sie mußte immer an den Prinzen denken, von dem niemand sprach, und dessen Stuhl leer stand. Die Prinzessin bekam ein großes, schönes Zimmer mit einem Himmelbett aus rosenroter Seide darin. Trotzdem sie sehr gut in dem prächtigen Bett lag, wachte sie doch am nächsten Morgen sehr zeitig auf. Sie zog ihr Vergißmeinnichtkleid an und ging durch das Schloß, in dem noch alle Bewohner schliefen, und gelangte in einen schönen Garten, in dem die wunderbarsten Blumen blühten.
Die Sonne war gerade am Aufgehen, und eine Nachtigall sang noch in den Büschen. Wie Schlampampe so durch den Garten schritt, vernahm sie auf einmal einen köstlichen Gesang. Es war ein Mensch, der sang, und so schön war die Stimme, daß die Prinzessin tief ergriffen wurde. Die hellen Tränen rollten ihr aus den Augen, und unwillkürlich ging sie den Tönen nach. Sie gelangte in eine Geißblattlaube, darin saß ein schöner Jüngling, der die Laute spielte und sang. Als die holde Prinzessin, die aussah, als hätte sie ein Stück Himmelsblau angezogen, plötzlich vor ihm stand, ließ er die Laute sinken und sah Schlampampe unverwandt an.