Plötzlich lachten sie beide hell auf und riefen einmal über das andere: „Schlampampe! – Schlampamperich!“ Dann fielen sie sich in die Arme und küßten sich und sagten, sie wollten sich heiraten. Sie liefen schnell in das Schloß, und die Diener, die gerade aufgestanden waren, mußten rasch den König, die Königin, die Prinzen und die Prinzessinnen wecken. Die freuten sich ungeheuer, als sie die Sache erfuhren, und die Königin sagte: „Gut, daß ich gestern einen Kuchen habe backen lassen, da können wir jetzt gleich Verlobung feiern!“
So geschah es auch, und Hochzeit wurde auch bald gemacht. Dazu wurden Schlampampes Eltern und Geschwister eingeladen; es sollte eine große Hochzeit werden. Die alte Königin sagte zu Schlampampe, sie möge am Hochzeitsmorgen ihren Bräutigam nur mit einem andern Namen rufen, den dürfe er dann für immer behalten.
Das Gleiche sagte Schlampampes Mutter zu dem Prinzen, und Braut und Bräutigam dachten sich wunderschöne Namen aus, mit denen sie einander rufen wollten. Schlampampe wollte ihren Prinzen „Friedhold“ nennen, und dieser wollte seiner Braut den Namen „Morgenrot“ geben, weil er sie beim Morgenrot zuerst gesehen hatte.
Schlampampe stickte auf ein großes rotseidenes Schlummerkissen den Namen Friedhold, und der Prinz machte ein schrecklich langes Gedicht, in dem er seine holde Frau Morgenrot besang.
So kam denn der Hochzeitstag heran. Wie sich das für einen richtigen Hochzeitstag schickt, schien die Sonne blitzblank, und alle Menschen im Königsschloß und im ganzen Lande machten vergnügte Gesichter. Die kleinen Mädchen hatten alle weiße Kleider an und die Buben neue Hosen. In jedem Hause war Kuchen gebacken worden, und zu Mittag gab es Kalbsbraten und hinterher noch eine süße Speise.
Es war wirklich wunderschön, und am allervergnügtesten waren der Prinz und die Prinzessin. Letztere konnte es kaum erwarten, ihr weißes, ganz und gar mit Edelsteinen besticktes Brautkleid anzuziehen. Das Kleid hatte eine so lange Schleppe, daß, wenn man am Ende der Schleppe stand, man kaum erkennen konnte, wer das Kleid eigentlich anhatte. Als die Prinzessin in ihrem schönen Kleide die Treppe hinunterstieg, an deren Fuße ihr Bräutigam stand und auf sie wartete, wollte sie in der Freude ihres Herzens ein bißchen rasch laufen. Dabei verwickelte sie sich in die lange Schleppe, verlor das Gleichgewicht und fiel die Treppe hinab.
Der Prinz sah es unten und erschrak sehr. „Schlampampe,“ schrie er entsetzt und fing seine Braut in seinen Armen auf.
„Schlampamperich,“ schrie die Prinzessin verwirrt, „wie bin ich denn die Treppe herunter gekommen?“
Plötzlich aber sahen sich beide an und schrien kläglich: „Oh weh, nun haben wir unsere Namen genannt!“
„Das ist schrecklich!“ jammerte Schlampampe, der Prinz aber lachte und rief: „Wenn du auch Schlampampe heißt, lieb habe ich dich doch!“