Verlegen sah er auf die Muhme und dann auf ein mächtiges Reisigbündel, das die alte Frau jetzt erst bemerkte. „Hast du das gebracht?“ fragte sie freundlich.

Traumfriede nickte. „Der Herr Förster hat's erlaubt. Ich mußte nach Niederheudorf gehen, da hab' ich's auf dem Weg gesammelt, weil – weil's doch so kalt ist.“

„Guter Kerl du!“ sagte die Muhme gerührt und zog den Buben in ihre Stube und streichelte ihm das blasse Gesicht. „Komm, setz dich her, da auf dem roten Polsterstuhl darfst du sitzen, ich koch' dir rasch eine Tasse Kaffee.“

Traumfriede schüttelte den Kopf und sagte ängstlich: „Ich muß fort, sonst krieg' ich wieder Haue wie neulich.“

„Hast du am Sonntag Haue bekommen?“ fragte die Muhme erschrocken.

Der Bube nickte, aber über sein blasses Gesicht flog dabei ein heller Schein. „'s schadet nichts,“ sagte er geduldig, „'s war doch schön hier.“

Muhme Lenelis sah ihn eine Weile starr an und murmelte: „'s muß gehen, 's muß gehen! – Wo ist denn jetzt der Kohlbauer?“ fragte sie plötzlich.

„In der Schenke,“ stammelte der Bube und wurde puterrot, als er an den Pflegevater dachte.

„So ist's recht!“ sagte Muhme Lenelis, nahm sich ein Tuch um, steckte ein winziges Laternchen an, das sie in die Hand nahm, dann löschte sie ihr Lämpchen aus, ermahnte Friederike, Schnurpsel und Mimi, sie möchten artig sein, und sagte zum Traumfriede: „Komm mal mit mir!“

Der Bube folgte ihr willig, und die beiden schritten stumm nebeneinander durch die dunkle, stille Dorfstraße bis zum Pfarrhaus.