„Ihr wird schlecht,“ murmelte der dicke Friede, und der blaue Friede und Schnipfelbauers Fritz liefen, was sie konnten, um Muhme Lenelis herbeizuholen.
Die alte Frau schlug die Hände über dem Kopf zusammen, und die hellen Tränen rannen ihr über das gute Gesicht, als sie ihre Ziege in dem Zustand erblickte. „Sie ist krank, sie stirbt!“ schluchzte sie.
„Sie hat sich vergiftet,“ sagte der Schulze mit bedenklicher Miene, „sie sieht ja ganz blau aus.“
„Nein, grün und rot, wie mein Blumenbrett,“ rief die Schnipfelbäuerin. „So was kommt doch nicht vom Vergiften.“
„Aber krank ist sie,“ sagten alle, nur Mine, die Wirtsmagd, sagte plötzlich kichernd. „Ich glaube, sie ist betrunken. Ich habe gesehen, wie sie bei uns Bier gesoffen hat; wie ich dann nachsah, war die Schüssel leer.“
Betrunken? Friederike sollte betrunken sein?
Sprachlos sahen sich alle an, nur Schuster Pechdraht lachte und meinte. „Mine kann schon recht haben!“
Und sie hatte auch recht: die tugendhafte, kluge Friederike hatte sich wirklich betrunken. Sie wurde in den Stall getragen, und Muhme Lenelis legte ihr ein kaltes Tuch auf den Kopf. Und Friederike schlief ein und schlief vierundzwanzig Stunden lang. Immer wieder kamen die Kinder fragen. „Schläft sie noch?“ und immer wieder antwortete dann Muhme Lenelis traurig „Ja, sie schläft noch.“
Anton Friedlich meinte: „Ich glaube, Muhme Lenelis, sie tut nur so, weil sie sich schämt!“
Es war wirklich eine schreckliche Geschichte. In Oberheudorf kannte man glücklicherweise keine betrunkenen Menschen, von einer betrunkenen Ziege aber hatte man noch nie etwas gehört. Jeder war entrüstet über Friederikes Benehmen, und die Kinder hatten allen Respekt verloren. Wenn sie Friederike mit ihren roten, blauen und grünen Flecken, die gar nicht abgehen wollten, sahen, lachten sie sie aus. Darüber kränkte sich Traumfriede sehr, und er sagte immer: „Friederike kann doch nichts dafür! Sie hat doch nicht gewußt, daß Bier so schlimm ist!“