„Aber sie hat genascht,“ sagte Anton Friedlich und dachte dabei an die Butterbirnen.
Das war nun wahr, dafür mußte die arme Friederike jetzt ihre Strafe leiden. Die Kinder aber lachten nicht lange mehr, denn Friederike zeigte bald, daß sie wirklich gebildet war.
An einem Oktobertag nämlich lag der Knecht des Waldbauern auf dem Grasberg am Hause und schlief, statt im Stall nach dem Rechten zu sehen. Der Bauer war fortgegangen, und der Knecht dachte, wie auch oft faule Kinder denken: „Es sieht's ja niemand!“
Oben am Berg suchte Friederike einsam nach Gräsern, als sie den schlafenden Knecht erblickte. Sie kam näher, und plötzlich sprang sie ihm mit einem kühnen Sprung so heftig auf den Leib, daß der Knecht erwachte. „Wart, du abscheuliches Tier!“ rief er empört und wollte die Ziege fangen, aber diese rannte eilig davon. Da der Knecht nun einmal munter war, ging er brummend auf den Hof. Da kam er aber gerade zur rechten Zeit, um ein braunes Tier im Hühnerstall verschwinden zu sehen – es war ein Marder. Heisa, da rannte aber der Knecht, so schnell er konnte, dem gefährlichen Räuber nach und trieb ihn aus dem Hühnerstall heraus. Am nächsten Tag wurde der Marder dann in einer Falle gefangen.
„Potzwetter nochmal,“ sagte der Knecht, „Friederike ist aber wirklich gebildet. Denn warum ist sie mir auf den Leib gesprungen? Doch nur, weil sie den Marder gesehen hatte.“
„Friederike ist wirklich sehr klug,“ sagten auch alle Leute im Dorf. „Das mit dem Bier war eben mal ein dummer Streich, aber sonst ist sie doch anders als andere Ziegen!“
Seitdem hatten die Kinder wieder Respekt vor Friederike, die übrigens nie mehr eine Dummheit gemacht hat.