„Nä,“ beschied der Müllersknecht, „Mädel haben bei so was nichts zu tun, die dürfen nur zuhören.“
„Das ist fein,“ lobte Schnipfelbauers Fritz, „wir Buben machen's alleine!“ Und dabei blieb es.
Von diesem Tage an flüsterten und wisperten die Oberheudorfer Buben zusammen, wo sie sich nur trafen. Begegneten sich zwei unversehens, dann rief der eine „traratrara“, und der andere antwortete „bumbum“, denn in Gedanken spielten sie schon die Instrumente, die Friede Hopserling ihnen zuerteilt hatte.
Schuster Pechdraht, der das Bumbum und Traratrara einmal hörte, sagte: „Da wird eine rechte Dummheit zusammengeschustert. Ich seh's den Buben an den Nasenspitzen an, daß sie was vorhaben!“
Es mußte auch jeder merken, daß sie ein Geheimnis hatten. Am allergeheimnisvollsten aber taten die Buben, wenn die Mädel in der Nähe waren. Da wisperten und tuschelten sie, pfiffen, summten und lachten. Sie zwinkerten sich zu und riefen laut und protzig: „Uh je, wird das fein werden!“
Fragte ein Mädelchen, was fein werden würde, dann lachten die Buben noch mehr und riefen alle zusammen: „St! St!“ Das sollte Ständchen heißen, was die Mädel freilich nicht wissen konnten. Natürlich wurden diese ganz gewaltig neugierig, und sie gaben sich die größte Mühe, das sorgsam gehütete Geheimnis herauszubekommen. Doch alles Forschen und Fragen half nichts. Selbst Annchen Amsee, die sonst alles wußte und überall ihre kleine Nase hineinsteckte, konnte nichts erfahren. Sie wurde darüber so böse, daß sie ihren Freundinnen erklärte, sie würde nie wieder mit einem Buben sprechen. Eine halbe Stunde später aber schwatzte sie schon wieder mit Heine Peterle.
Es war an einem Märztage. Da sagte Muhme Lenelis: „Es riecht nach Frühling!“ Sie guckte zu ihrem Fenster heraus und ließ sich behaglich den sanften warmen Wind um die Ohren wehen und dachte an Sommerwärme, Sonnenschein und blühende Gartenbeete. Der Schnipfelbauer dachte an seine neue Scheune, die er bauen lassen wollte; die Hausfrauen sprachen von dem großen Frühjahrsreinemachen; die Mädel überlegten, ob sie Schneeglöckchen suchen sollten, und die Buben – ja, die waren an diesem warmen Märztage auf einmal spurlos verschwunden. Als hätte der Tauwind sie aufgeleckt, wie er es mit den letzten Schneefleckchen getan hatte, so unsichtbar waren sie geworden. Die Dorfstraße, die sonst von ihrem Geschrei widerhallte, war einsam und still, und Schuster Pechdraht schüttelte verwundert den Kopf: „Wo mögen sie nur sein?“
Die Mädel saßen allesamt im Schulzimmer. Sie hatten Handarbeitsstunde bei der Frau Lehrer, die es auf sich genommen hatte, ihnen das Nähen, Stricken und Sticken beizubringen. Sonst tobten um diese Zeit die Buben draußen gewaltig um das Schulhaus herum, und ihr lustiges Spiel entlockte den armen Mädeln manch tiefen Seufzer. Bäckermeisters Mariele, die ohnehin mit Nadel, Zwirn und Fingerhut auf Kriegsfuß stand, machte dann stets ellenlange Stiche, ihr riß der Faden, oder sie schnitt unversehens ein Loch in ihre Arbeit. Trotzdem heute nun kein Bube draußen lärmte, hatte Mariele doch wieder Pech mit ihrer Arbeit gehabt, sie hatte das Hemd, das sie nähte, unten zusammengenäht statt an der Seite, und die Frau Lehrer hielt ihr gerade eine Strafrede, als ein seltsam dumpfes, verworrenes Geräusch in das Schulzimmer hineindrang.
Alle horchten auf.
Die Mädel rückten ängstlich zusammen, und die Frau Lehrer machte ein nachdenkliches Gesicht. „Klingt das nicht wie Feuerlärm?“ fragte sie plötzlich.