Je, wenn Frau Tippelmann glaubt, Frau van Bachhoven, der kein Hotel gut genug ist, würde hierbleiben, dachte wieder Laura, na, da irrt sie sich aber!

Doch diesmal irrte sich Laura. Die reiche Dame blieb wirklich bis zum Nachmittag als Gast in der Rose. Nun erst merkte Alette Amhag, daß die gefürchtete Frau im Grunde sehr gutherzig war, und sie verlor ihre Scheu vor ihr. Sie erzählte ihr selbst von ihrem Sturz ins Wasser, und wie die Sternbübles sie gerettet hatten. Da verlangte Frau van Bachhoven die zu sehen, und die andern Kinder auch, und Laura mußte laufen, um sie alle in die Rose zu holen.

Sie kamen an, verlegen und schrecklich neugierig dazu. Die Sternbübles glühten wie zwei Himbeeräpfel, als sie erzählen sollten, wie es gewesen war, als sie Alette gerettet hatten. Sie stießen sich an, blinkerten sich zu, und Peter sagte zu Mathes: »Sag's du!« Aber Mathes wieder tuschelte: »Du sollst es sagen.« Endlich besann sich Mathes auf seine Ältestenwürde und begann: »Alette ist gelaufen wie'n Häsle.«

»Und wir hintennach,« schrie Peter.

»Dann kam das Flüßle und das Brückle,« fuhr Mathes fort, »und da – und da – und da plumpste sie rein.«

»Wir haben sie rausgefischt,« ergänzte Peter wieder.

»So war's,« rief Mathes. »So war's,« schrie Peter, und beide sahen sich stolz ob dieser ausführlichen Erzählung an.

Frau van Bachhoven lachte. Dabei zeigte sie ihre weißen Zähne und rollte ihre großen dunkeln Augen, und das gefiel den Bübles so, daß sie auch in ein jauchzendes Gelächter ausbrachen. »Die gefallen mir,« rief die Dame, »die möchte ich haben.«

Aber auch die Sternbübles wollten vom Mitreisen nichts wissen. Der Silberne Stern und die Löwengasse gefielen ihnen vorläufig noch besser als die weite Welt draußen. Sehr gefiel es ihnen dagegen, als Frau van Bachhoven ihnen allerlei sehr schöne Dinge schenkte. Eigentlich sollten zwar all das kostbare Spielzeug, die feinen Zuckersachen und Früchte für Alette sein, doch die teilte gern mit den Freunden, ja sie gab sogar die beiden Staatspuppen an Trinle und Gundel, und so wurde schließlich für alle der Besuch, über den sie zuerst so erschrocken waren, eine große Freude.

Am frohesten aber war doch Alette. Nun brauchte sie nicht mehr heimlich zu befürchten, daß Frau van Bachhoven sie holte. Die war fort, und sie durfte bei ihrer Großtante bleiben, bis ihr Vater sie holen kam. Auch Laura war nun ganz zufrieden, auch sie sagte vergnügt: »Ja ja, ein Weilchen bleibe ich schon noch gern in der Löwengasse. Aber das muß ich doch sagen, Frau Tippelmann, recht war es nicht, daß Sie sich nicht gleich als Alettes Tante zu erkennen gegeben haben, es wäre manches anders gewesen.«