»Na, so ein paar widerhaarige Buben sind mir noch gar nicht vorgekommen,« rief Frau Tippelmann. Sie ärgerte sich und lachte dabei, und da sie sah, daß die Sternbübles durch Worte nicht zu überzeugen waren, stand sie auf und holte ein paar kleine Bilder herbei, die sie den Kindern vorlegte. »Da seht ihr's,« sagte sie. »Da sind Männer mit Zöpfles drauf; seht, das hier ist sogar ein Offizier, und der hat auch einen Zopf. Na, glaubt ihr es nun?«

Ein paar Herzschläge lang starrten die Sternbübles stumm auf die Bilder nieder. Wirklich, da hingen den feinen Herren kleine steife Zöpfe herunter, und keiner sah darob sehr verwundert drein. Die Bübles sahen sich an, sahen wieder die Bilder an, sie hörten aber auch das schadenfrohe Lachen der andern, und der alte bitterböse Sternbüblestrotz wachte wieder in ihnen auf. Mathes rief als erster: »Die Bildles, die sind net wahr, die – die – sind aus – Märchenbüchern.«

»Jawohl, aus Märchenbüchern sind se,« schrie Peter nach, »sie sind net wahr.«

»Was, meine Bilder sind net wahr?« rief Frau Tippelmann verdutzt. »Mein eigener Urgroßvater soll net wahr sein? Nun schlägt's aber dreizehn!«

Die Lindenkinder waren nur einen Augenblick sprachlos, dann tobten sie los wie zur Zeit der schlimmsten Feindschaft mit den Sternbübles, und die blieben die Antworten nicht schuldig. Worte flogen hin und her wie Schneebälle. Frau Tippelmann schalt, Laura lachte, Gundel weinte, Alette weinte mit, und alle miteinander überhörten den Klingelton unten, hörten nicht, daß die neue Küchenmagd Selma mit jemand sprach, bis sich die Türe auftat und dieser Jemand ins Zimmer kam. »Potzwetter, nennt man das eine Krankenstube?«

Da war es nun plötzlich still, und tief erschrocken schauten alle auf den Arzt. Frau Tippelmann aber seufzte schwer, fast schuldbewußt; es war ihr beinahe, als hätte sie den Lärm selbst verursacht. Ordentlich bedrückt sagte sie: »Gut, daß Sie kommen, Herr Doktor, mit diesen Sternbübles ist es ein Kreuz.«

»Was haben sie denn getan?«

Alle auf einmal wollten Antwort geben, diesmal aber gelang es Frau Tippelmann, sie zur Ruhe zu bringen; sie rief streng: »Schweigt, ich erzähle!«

Und dann erzählte sie halb lachend, halb ärgerlich die Zopfgeschichte, und der gute Doktor machte ein Gesicht dazu, als könnte er das Lachen nicht mehr recht am Ausreißen hindern. »So ist's!« sagte er und sah die Sternbübles von oben bis unten an. »Hm, ihr glaubt also nicht an die Zöpfles?«

»Noi,« beharrten die Bübles trotzig und gekränkt, »das ist net wahr!«