»So, hm! Na, seht einmal an! Wer ist denn das hier, der euch allen vor der Nase hängt, und an dem ihr alle vorbeigesehen habt, obgleich man an dem in der Weltgeschichte wirklich nicht vorbeisehen kann?«

Der Doktor nahm ein Bild von der Wand, hielt es Mathes und Peter vor die Augen und fragte: »Wer ist das?«

»Der alte Fritz!« Die Lindenkinder riefen es zuerst, und dann schrieen sie alle zusammen: »Er hat ein Zöpfle!«

»Na ja, freilich, der alte Fritz hat ein Zöpfle getragen, und was er, der große Held, getan hat, werden die andern Männer wohl auch getan haben. Glaubt ihr das nun, ihr Ungläubigen?«

Ja, nun glaubten sie es schon; wenn der alte Fritz ein Zöpfle hatte, dann freilich! Die Sternbübles sahen ganz verdattert drein, und die Lindenkinder taten soeben ihre Münder sperrangelweit auf, um in ein riesenhaftes Jubelgeschrei auszubrechen, als der Doktor schnell rief: »Nun aber raus, allesamt, eine Krankenstube ist keine Lärmstube, wer schreien will, mag es draußen tun, obgleich es für das Löwengäßle angenehmer wäre, ihr ginget fein stille heim.«

»Das werden sie ganz und gar nicht tun,« brummelte Frau Tippelmann, »die schon sicher nicht. Ich bin aber froh, daß sie gehen; so bald gibt es nicht wieder Besuch hier, das sage ich.«

»Und die Geschichte?« rief da plötzlich Alette in einem so jämmerlichen Tone, daß es selbst den bockbeinigen Sternbübles an das Herz ging. Die taten jeder einen kellertiefen Seufzer und schauten drein, als wären Heim und Stube, Schulferien, das Löwengäßle, das Nachtessen und sonst etwas weggeschwommen. »Die Geschichte bleibt nun unerzählt,« sagte Frau Tippelmann streng. »Wer sich über ein Zöpfle net beruhigen kann, der braucht keine Geschichten zu hören.«

Es war merkwürdig, Alette kannte ihre Tante doch erst seit kurzer Zeit, aber schon wußte sie, hinter der Strenge lauerte das Lachen, und ihr eben noch so betrübtes Gesicht hellte sich auf. Sie rief rasch: »Morgen erzählst du, bitte, bitte!«

»Nein, morgen gewiß nicht.«

»Dann übermorgen.«