»Na, vielleicht, – wollen mal sehen, aber nun Abschied!«
Der war kurz, denn Frau Tippelmann schob die Gäste einfach zur Türe hinaus, der Doktor half, Laura auch, und so kamen die Kinder der Löwengasse so geschwind hinaus wie noch nie. Auf einmal standen sie auf dem Gäßle, die herbe Frühlingsluft umwehte sie, kühlte ihre heißen Stirnen und dämpfte auch ihre Streitlust. Für die Ruhe auf dem Gäßle war das recht gut.
»Übermorgen erzählt sie uns,« sagten sie zueinander.
»Vielleicht.« Gundel war zaghaft, aber die andern überstimmten sie: »Nicht vielleicht, sondern gewiß. Um das Zöpfle wird sie net lang böse sein, um ein dummes Zöpfle.«
»Ein Zöpfle ist was Feines,« schrie Mathes plötzlich; »hurra, der alte Fritz hat auch eins getragen, hurra!« Und dann liefen sie heim, denn über das Löwengäßle sanken immer tiefer die Dämmerschatten, und die Abendbrotzeit war herangekommen. Nach dem Abendessen kam das Zubettgehen, und dabei geschah es, daß sich die Sternbübles gegenseitig ansahen, jäh verstummten und sich dann beide an die kugelrunden, glattgeschorenen Köpfe faßten und riefen:
»Wir kriegen nie ein Zöpfle – schade!«
Und sie seufzten tief und stiegen nachdenklich in ihre Betten. Peter aber träumte in der Nacht von einem dicken, schwarzen Chinesenzopf. Doch den hatte nicht er, sondern Herr Baldan; der ging damit im Löwengäßle spazieren, schwenkte ihn hin und her und rief immer: »Platz da für mein Zöpfle, das hat mir der alte Fritz geschenkt.« O, der glückliche Herr Baldan!
Fünfzehntes Kapitel.
Hoher Besuch.
Frau Tippelmann erzählt eine Geschichte von Sternbübles, und die lebendigen Sternbübles haben viel dreinzureden, und Fräulein Laura sagt, wenn von einem Herzog geredet wird, müsse es schneller gehen. Es kommt aber alles zu einem guten Ende, und die Sternwirtin weiß zuletzt nicht, von welchen Sternbübles ihre Kinder eigentlich erzählen.