»Noi, das ist net wahr, wir waren's net,« schrieen Mathes und Peter entrüstet.

»Dummhüte, ihr doch net! Eure Ururururgroßväter waren damals die Sternbübles. Auch zwei wie ihr, auch just in eurem Alter, und auch sie wurden im ganzen Städtle nur die »unnützen Sternbübles« genannt. Ja, seht nur nicht so bitterböse drein; es war schon so! Um diese Zeit gab es in der Linde ein einziges Mädele, das Gustele.«

»Und in der Rose?« fragte Alette eifrig.

»Da purzelten erst ein paar winzige Dreikäsehoch im Kinderzimmer herum, die zählten noch nicht mit, denn die durften noch nicht auf dem Gäßle spielen. Die Sternbübles und das Lindengustele nun waren die allerbesten Freunde; die stritten sich nicht und schmähten sich nicht, wie es später manchmal zwischen den Linden- und Sternkindern vorgekommen sein soll.«

»Aber jetzt net mehr,« schrieen die Grills und die drei aus dem Stern zugleich, »das war früher mal.«

»Freilich, freilich, das war einmal vor ewigen Zeiten, vor vier Wochen etwa!« Frau Tippelmann lachte, die Kinder lachten, nur Laura sah etwas brummig aus, als sie sagte: »Eine Geschichte, in der ein Herzog vorkommt, darf nicht so langsam erzählt werden; das muß geschwinder gehen. Kam denn der Herzog?«

»Ja, freilich, er kam. Vorher wurde aber im Silbernen Stern geputzt und gescheuert, als müßten Weihnachten, Ostern und Pfingsten gleich an einem Tage gefeiert werden. Das Fürstenstüble wurde gerichtet, in dem ein großmächtiges Himmelbett stand, dessen Dach von vergoldeten Engeln getragen wurde.«

»Das Bettle ist noch da,« schrieen die drei Sternkinder aufgeregt, »und die Mutter sagt, ein König hat drin geschlafen, doch, ein König, ein König!«

»Potzwetter, ihr sollt den Schnabel halten!« Frau Tippelmann sah ganz grimmig drein. »Was habe ich gesagt?« rief sie. »Wer nicht still ist, der muß hinaus, aber in der Geschichte, die ich erzähle, hat ein Herzog drin geschlafen, und nun Punktum und Streusand drauf! Vorläufig also war der Herzog noch nicht in Breitenwert eingetroffen, und die Sternbübles Jaköble und Josefle standen mit Gustele aus der Linde mitten im Fürstenzimmer und schauten sich die Herrlichkeiten an, das schöne Bett mit der grünen Seidendecke darüber, die Gustele ganz vorsichtig streichelte.«

»Durfte sie das?« Die Sternbübles hatten schon wieder einmal das Schweigegebot vergessen, und Frau Tippelmann runzelte die Stirn ob der neuen Unterbrechung. »Bewahre, sie durfte das natürlich nicht,« brummte sie. »Die Kinder hatten sich ganz heimlich in das Prachtzimmer geschlichen, in dem gerade der Malermeister Tänzer gewesen war, der den einen Engel noch einmal ein wenig überstrichen hatte. Der Herzog sollte an diesem Nachmittag kommen, und im Silbernen Stern lief alles in der größten Eile durcheinander. Zur Hilfe hatten sie auch den Meister Tänzer fortgeholt; er sollte den Willkommenspruch an der Haustüre annageln. In der Eile hatte er seine Leiter in dem Fürstenzimmer stehenlassen, und ich weiß nicht, wer es zuerst gesagt hat, das Jaköble oder das Josefle: ›Man müßte da mal hinaufsteigen,‹ getan haben es jedenfalls alle beide, und Gustele stieg auch hinauf, obgleich damals die Mädeles im allgemeinen nicht auf Leitern herumkletterten. Oben auf dem Betthimmel, neben den goldenen Engeln, die die seidenen Vorhänge in ihren Händchen hielten, ließ es sich ganz gut sitzen. Jaköble – es kann auch Josefle gewesen sein – rief: ›Ich bleib' hier, da sehe ich den Herzog ganz genau, da –