›Bst, es kommt jemand!‹ Gustele verkroch sich erschrocken in den Falten des Vorhanges, und auch die Buben suchten erschrocken Schutz, denn draußen kamen rasche, laute Schritte näher. Die Tür wurde aufgerissen, Christian, Meister Tänzers Geselle, sprang herein, rasch ergriff er die Leiter und, husch, war er zur Türe hinaus, und man hörte ihn draußen mit seiner Last geschwind die Treppe hinabpoltern. Einen Augenblick freuten sich die drei; die Bübles riefen stolz: ›Ha, er hat uns net gesehen!‹ Aber gleich darauf fiel es ihnen ein, es möchte ein schweres Ding sein, von dem Betthimmel herabzukommen. Und herunter mußten sie und unbemerkt und möglichst geschwind dazu. ›Springen,‹ riet Jaköble oder Josefle.
›Das kann ich net,‹ klagte Gustele.
›Hm!‹ Die Buben überlegten; leicht war es nicht, und einer von ihnen sagte endlich: ›Wir müssen runterklettern.‹
›Und wenn dabei was zerbricht oder das ganze Bettle umfällt?‹ Gustele zitterte vor Angst, und als sich die Buben die Sache recht beschauten, zitterten sie ein bißchen mit. So leicht wie hinauf kamen sie jedenfalls nicht hinab, und wie sie noch so redeten und beratschlagten, entstand auf dem Löwengäßle auf einmal ein ungeheurer Lärm, und zugleich polterten auch draußen auf dem Gang wieder Schritte. Trapp, trapp, ging es. Die Türe wurde aufgerissen, und eine Magd kam und raffte eiligst allerhand Werkzeug auf, das Meister Tänzer am Boden hatte liegen lassen. Der ersten nach stürzte eine zweite Magd in das Zimmer, die, husch, mit einem Staubtuche über Tische und Stühle wischte, aber da schrie auch schon eine dritte zur Türe herein: ›Schnell, schnell, eilt euch, huje, er ist schon auf der Treppe!‹
Die Mägde rannten hinaus, draußen gab es Gerappel und Gerumpel, mehrere Stimmen tönten durcheinander, dann ging wieder die Türe auf, und gefolgt von dem tief sich verneigenden Sternwirt, zwei Herren und etlichen Dienern, betrat ein großer, stattlicher Herr das Zimmer – der Herzog.«
»O je!« kreischten Peter und Mathes entsetzt, »und alleweil sitzen die noch oben.«
»Ja, so war's,« sagte Frau Tippelmann, »die drei saßen noch oben auf dem Betthimmel, und es ist schon ein richtiges Wunder, daß sie nicht heruntergepurzelt sind, sondern noch so viel Verstand hatten, sich in den Falten der dicken Vorhänge zu verstecken. Zu ihrem Glück sah auch nicht gleich jemand nach oben. Der Herzog ging in das andere Zimmer hinein, blickte sich um und sagte zufrieden zu dem Sternwirt: ›Er hat ein recht stattliches Haus, ich denke, es wird mir bei ihm wohlergehen.‹
Der Sternwirt verneigte sich wieder und sagte, dies hoffe und wünsche er von Herzen. Der Herzog ging wieder in das Nebenzimmer, schaute auf die Gasse hinaus, und schließlich tat er einen Seufzer und sagte, er habe Hunger.
Dies war nun ein rechtes Glück für Gustele und die Bübles. Das Mahl für den Herzog war im Saal angerichtet, also begab er sich dahin; seine Begleiter folgten ihm, die Diener liefen auch hinaus, und ein paar Minuten später war es still und leer in den Zimmern. Die drei Schelme wären nun himmelgern von ihrem hohen Sitz heruntergeklettert, sie merkten aber bald, daß dies ein schwieriges Unternehmen war. Als Jaköble, es kann auch Josefle gewesen sein, am Bettpfosten herabrutschen wollte, wankte und schwankte das ganze Himmelbett, und Josefle, es kann auch Jaköble gewesen sein, hielt den Bruder angstvoll fest, denn der drohte herunterzupurzeln, ganz schrecklich sah es aus.
›Wir kommen net runter,‹ stöhnte Gustele.