›Und wenn uns der Herzog sieht, o je!‹ ächzte Josefle, es kann aber auch Jaköble gewesen sein, so hinterher kann man net wissen, welcher von den Bübles gerade gesprochen hat.«
»Noi, das kann man net,« redete Mathes dazwischen, aber Peter gab ihm einen Stoß und mahnte: »Sei still, sie müssen sonst so lange oben sitzen.«
»Ja freilich, lang genug mußten sie oben sitzen,« fuhr Frau Tippelmann fort, »das stimmt. Jedes Mal nämlich, wenn Jaköble oder Josefle das Heruntergerutsche versuchen wollten, wackelte das Bett, schwankte wie ein Schiff auf hoher See, und immer wieder blieben die Kinder erschrocken oben sitzen. Gerade sagte Josefle oder Jaköble wieder: ›Ich rutsch', halt doch,‹ als sich leise die Tür öffnete. Ein herzoglicher Diener trat ein; aber der benahm sich höchst seltsam, er sah sich scheu um, und die drei auf dem Himmelbettdach meinten schon, er habe sie gehört und habe nun Angst vor ihnen. Dabei hatten sie selbst eine Heidenangst vor dem Diener, und so fürchteten die oben und der Mann unten sich arg. Der Diener blickte ängstlich in alle Ecken, lauschte, dann sprang er hastig auf das Gepäck des Herzogs zu, das noch uneröffnet im Zimmer lag, und versuchte den einen Reisesack zu öffnen. Das gelang ihm nicht gleich, er zog darum hastig ein Messer aus der Tasche und schnitt ritsch, ratsch ein Loch in die Hülle.«
»Das ist frech,« brüllten Mathes und Peter, »das darf er nicht.«
Frau Tippelmann erwiderte darauf gar nichts, nur Laura brummte: »Der längste Tag im Jahr ist nicht lang genug, um den Sternbübles eine Geschichte zu erzählen. Also, was machte der Diener?«
»Der wühlte und kramte in dem Sack herum und zog schließlich ein Kästchen heraus, das er in seine Tasche steckte; dann zog er noch ein zweites größeres Kästchen hervor, damit ging er zum Ofen, öffnete das Ofenloch und warf den Kasten hinein. Dann huschte er eilig aus dem Zimmer.
Das Gustele sah auf dem Himmelbettdach das Jaköble an, das Jaköble sah das Josefle an, und allen dreien kam die Sache höchst unheimlich und seltsam vor; ein wahres Grauen beschlich sie.
Sie waren mit dem Verwundern noch nicht fertig, als sich schon wieder die Türe auftat und zwei andere Diener hereinkamen. Einer von ihnen war schon alt, ein würdiger, freundlicher Mann, den der andere fast wie den Herzog selbst behandelte. Der sah sich im Zimmer um, lobte die schöne, saubere Einrichtung, er trat auch an das Himmelbett heran –«
»Jetzt sieht er sie,« kreischte Peter.
»Nein, er sah sie nicht,« erzählte Frau Tippelmann weiter, »er sah eben nicht in die Höhe, sondern sagte zu dem zweiten Diener: ›Wir wollen rasch auspacken, Philipp; diesen Sack hier zuerst, da sind wichtige Schriftstücke von unserm Herzog darin, die hat er mir besonders ans Herz gelegt.«