Philipp ging rasch ans Werk, und oben tuschelte das Jaköble – es kann auch das Josefle gewesen sein – alle Vorsicht vergessend: ›Jetzt finden sie das Loch.‹
Die beiden unten hörten aber das leise Flüstern nicht, denn sie fanden wirklich das ausgeschnittene Loch, und sie schrieen laut los. Der Alte riß zitternd das Gepäck auseinander, wühlte darin, suchte und stöhnte endlich: ›Fort, beraubt, die Papiere sind fort, die Juwelen sind fort! Mein Gott, was tun wir nun?‹
Philipp war schon an die Türe gestürzt, er riß sie auf und schrie laut in den Flur hinaus: ›Hilfe, Hilfe, Diebe, Diebe!‹
›Um Himmelswillen, Philipp, sei doch still!‹ jammerte der Alte, aber seine Warnung kam zu spät. Der Ruf hatte schrecklich das Haus durchgellt, Hausdiener und Mägde, Gäste und Wirtsleute, alle rannten herbei, selbst der Herzog kam. Der hatte das Rufen gehört, hatte gefragt, und der Sternwirt hatte ihm, an allen Gliedern zitternd, berichtet, sein Reisegepäck sei bestohlen worden. ›Gestohlen in meinem Haus!‹ jammerte er. ›Hochfürstliche Gnaden, Erbarmen, ich kann nichts dafür!‹
›Das werden wir sehen.‹ Der Herzog sah gar nicht mehr mild und freundlich aus, sondern bitterböse, als er das Zimmer betrat, und er fuhr den alten Diener zornig an: ›Erzähle Er, Friedrich, wie hat Er's gemerkt?‹
Der erzählte – er konnte kaum sprechen vor Kummer –, alles habe er selbst bewacht beim Herauftragen, dann sei er nur mit den andern gegangen, um rasch etwas zu essen. In dieser Zeit müsse es geschehen sein; es könne wohl nur jemand aus dem Hause gewesen sein.
Ja, das sei sicher, riefen des Herzogs Begleiter und Diener, und alle sahen dabei den Sternwirt drohend an. ›Hat Er Diebe im Haus?‹
›Beileibe nicht! Noch nie ist so etwas hier vorgekommen, solange ich Wirt bin,‹ jammerte der. ›Fragt alle meine Leute, allergnädigster, durchlauchtigster Herr Herzog, niemand tut hier so etwas!‹
Der Herzog befahl nun, alle Leute sollten erscheinen, selbst die Köchin mußte den Braten brotzeln lassen. Zuallerletzt kam Michel, der älteste Hausknecht, der war nur widerwillig gekommen, weil er gemeint hatte, unten könne man nicht einfach alles stehen und liegen lassen. Als er eintrat, deutete einer der Diener auf ihn und sagte: ›Den da sah ich vorhin die Treppe herabkommen, er sah sehr verlegen aus, vielleicht weil er so schwarz war; er mochte gerade einen Ofen ausgeräumt haben.‹
›Stiefel hatte ich geputzt,‹ brummte Michel unwirsch.