Alette Amhag aber klagte bänglich: »Wohin geht es denn? Ich – ich fürchte mich so!«
Doch das Rutschen war nicht sonderlich schwer, und da es im Walde trocken war, langten die fünf nicht allzu schmutzig mit heiler Haut und heilen Kleidern im Talgrund an. Dort ruhten sie ein Weilchen und überlegten, was sie tun sollten. Sie hörten die Stimmen oben näher klingen, und die Angst überkam sie, Körble könnte die Fremden hier hinabführen. »Wir laufen ins Bachwirtshaus,« schlug Veit vor, »vielleicht sind die aus dem Stern schon da.«
Den Plan fanden alle gut. Selbst Alettes Gesicht hellte sich auf, als sie nun wieder auf ihren Beinchen stehen konnte, und das Bachwirtshaus als Ziel lockte sie sehr. Der Weg führte am Waldrand entlang durch ein liebliches Tal, durch das ein schneller Bach floß. Er hatte es eilig, und die Kinder hatten es eilig, die wollten im Bachwirtshaus sein, ehe die Fremden mit dem Gendarm vielleicht vom Berg herabkamen. Die Wirtin freute sich über den Besuch, und noch drei mit ihr, Gundel und die Brüder. Die waren vor einem Weilchen angelangt und saßen schon in der großen Wohnstube des Wirtshauses als Ehrengäste, denn nur die durften hier herein. Nach der Gaststube führte ein Fensterlein; aber die Wirtin brauchte nicht hindurchzusehen, denn an diesem Pfingstsonnabend war es sehr still in dem Wirtshaus. Erst morgen kamen wohl die Gäste. Jedenfalls durchzog ein lieblicher Duft nach frischem Kuchen das Haus, und die Bachwirtin sagte heiter: »Ihr kommt gerade recht. Und Pfingstsonnabendgäste haben es umsonst.«
Es dauerte nicht lange, da stand Milch auf dem Tisch und ein riesengroßer Teller voll Kuchen. Die Wirtin setzte sich zu den Kindern und fragte: »Nun erzählt mal, wo waret ihr denn?«
»Auf der Burg – da und –« Sie stockten, sahen sich an und platzten dann alle auf einmal heraus: »Wir haben Drachen gespielt; fein war's!«
»Drachen,« rief die Wirtin erstaunt, »ja, wie habt ihr denn das gemacht?«
Da erzählten sie alle durcheinander das Erlebnis, und die Wirtin, die Sternbübles und Gundel lachten herzhaft darüber, am meisten die Sternbübles. Die hopsten vor Vergnügen, und Mathes flehte: »Sei doch noch mal Drache, Steffen!«
»Soll ich?« Steffen war sehr stolz auf sein Drachensein, nur das Buntfeuer fehlte ihm. Aber die andern erklärten einstimmig, es ginge auch ohne Feuer, denn das Fauchen, Kreischen und Spucken sei eben doch die Hauptsache. Selbst die Bachwirtin sagte: »Spiel uns das Untierle nur mal vor! Was seid ihr nur für Kinderles im Löwengäßle, immer fällt euch was Rares ein!«
Die Sternkinder mußten sich an die Wand stellen, sie durften nicht zusehen. Der Wirtin hielt Trinle die Augen zu und versicherte ihr: »Sie sind sonst net überrascht genug. Alette paß auf die Sternbübles auf, die blinzeln.«
Also wurden die Sternbübles bewacht. Bei Gundel war es nicht nötig, die hielt sich ihr Schürzle fest vor das Gesicht, und die Wirtin ließ sich das Augenzuhalten auch gutmütig gefallen; sie versprach, ungeheuer überrascht zu sein.