Das waren sie dann alle miteinander wirklich sehr, als sich Steffen in seiner graugrünen Krokodilshülle auf einmal vor ihnen auf dem Boden wand und schauervolle Töne ausstieß. Da kreischten die Wirtin und die Sternbuben laut auf, Gundel brach in Tränen aus und wurde von Alette, die immer noch das blumige Prinzessinnenkrönchen trug, liebevoll getröstet.

»Wie er faucht, wie er spuckt!« schrie Trinle begeistert. »Gelt, er ist schön?«

Steffen, geschmeichelt durch dies Lob, spuckte, kreischte, knurrte, grunzte und quietschte; er stand mal aufrecht, mal lag er auf der Erde, kurz, er benahm sich wie ein richtiger Drache.

Das Lachen und Jauchzen der Zuschauer wurde immer lauter, am Fenster der Gaststube standen ein paar Mägde, die schauten auch zu, und alle miteinander vergaßen, daß in ein Wirtshaus auch Gäste kommen können. Steffen schrie dumpf aus seiner Hülle hervor: »Jetzt mache ich den Drachensprung und raube das Prinzeßle.«

Alette quietschte, sie kletterte flink auf einen Stuhl, Kasperle und Trinle schrieen: »Wir schützen dich!« Die Sternbübles schauten sehr wild und kampfmutig drein, und Steffen kauerte sich in einer Ecke zusammen, zum Sprung bereit. Er brummte, heulte und sprang dann jäh mit wildem Gebrüll empor –

»Da ist er wieder, das ist das Untier,« kreischte eine Stimme, und die alte Dame vom Burgberg sank Körble in die Arme. »Ich sterbe!« ächzte sie.

In der Türe, die Gastzimmer und Wohnstube verband, standen die Fremden mit dem Gendarm. Ihr Kommen hatte niemand bemerkt, die Mägde am Guckfensterchen auch nicht; sie alle hatten nur auf den Drachen gesehen, der jetzt matt und kraftlos am Boden lag. Er hatte sich in seinen Schwanz verwickelt und konnte nicht wieder aufstehen. Aber die schöne Haut hatte allerlei Risse bekommen, und ein Bubenbein und ein Bubenkittel wurden sichtbar. Nach und nach kam auch ein Gesicht zum Vorschein. Steffen kroch ein wenig aus seiner Drachenhaut heraus, in der es ihm anfing recht ungemütlich zu werden.

»Ein Boy, wirklich ein Boy!« riefen die drei Damen. »Wie komisch! Was soll das bedeuten?«

Trinle fand die Frage recht überflüssig; sie meinte, jeder müßte sehen, daß sie gespielt hatten. Sie kicherte ein wenig und flüsterte verschämt: »Wir haben doch nur gespielt! Steffen war der Drache; der hat Alette geraubt.«

»Alettle war das Prinzeßle,« schrieen die Sternbübles dazwischen, die rechts und links wie zwei Schildwachen neben Alettes Stuhl standen, beinahe so, als müßten sie die Freundin gegen lauter Feinde verteidigen.