»Alette!« rief da plötzlich der jüngere Herr erstaunt. »Mein Gott, das ist ja meine Alette!«
»Papa, o Papa!« Der Stuhl, auf dem Alette stand, geriet ins Wanken, und die Sternbübles vergaßen vor lauter Staunen ihn zu halten, aber der Fremde sprang zu, und Alette lag da plötzlich in ihres Vaters Armen. Sie lachte und weinte und wußte wirklich nicht, träumte oder wachte sie.
Herr Amhag sah gerührt, erstaunt, ja fast betroffen auf sein Kind nieder. War dies rosige Mädel denn wirklich sein blasses Kind, von dem Frau van Bachhoven ihm geschrieben, es würde sterben in der engen Kleinstadtgasse? »Alette, Kind, wie kommst du hierher, und – wie siehst du aus?«
Alette dachte, des Vaters Frage gelte dem Blumenkränzlein in ihrem Haar, sie griff verwirrt danach. »Es ist nur, weil ich ein Prinzeßle war,« stammelte sie. »O Papa, wir haben so schön gespielt!«
»Gespielt, hier?« Ja, wo waren denn die vielen Kummertränen, die Alette weinen sollte nach Lauras früherer Angabe? »Kind,« fragte Herr Amhag, »bist du denn froh hier? Sehnst du dich nicht fort? Ich komme doch, dich zu holen!«
Dich zu holen! Das Wort dröhnte den Linden- und den Sternkindern wie Posaunenton ins Ohr. Ihre Alette sollte fortgeholt werden! Trinle wohnte ohnehin immer zwischen Tränenbach und Lachbrünnlein, jetzt rann eilig der Tränenbach. Kaum sah das Kasperle, so fing er auch an zu schluchzen. »Alette soll nicht fort!« klagte er.
Das war zu viel für der Sternbübles Fassung. Die brachen jäh in ein so ungeheures, gewaltiges Jammergebrüll aus, daß die alte Dame vor Schreck auf einen Stuhl sank. So etwas hatte sie noch nie gehört! »Um Himmelswillen, die beiden werden verrückt!« stöhnte sie.
»Seid ihr unklug, Büble?« schalt die Bachwirtin. »Was soll das Geflenne?«
»Alettle, Alettle!« heulten die Buben. Sie brüllten, als sollten sie wie zwei Öchslein über dem Feuer geröstet werden, und dieser schreckliche Schmerz der beiden bewegte Alette tief; auch sie brach in Schluchzen aus. Auf einmal heulte die ganze Kindergesellschaft, nur Veit und Steffen drückten und schluckten, sie hielten Tränen für unwürdig. Dafür schrie das Kasperle mit den Sternbübles um die Wette. In allem Schmerz versuchten sie einander doch zu übertreffen, und jeder dachte mit heimlicher Freude: »Ich kann's besser!«