Man war an diesem Pfingstsamstag sehr vergnügt in der Löwengasse in Breitenwert, nur der gute Herr Häferlein stand ein wenig betrübt vor seiner Ladentüre. Ein paar Käuferinnen waren noch dagewesen, er hatte ihnen allen gute Feiertage gewünscht, sie ihm auch, und nun wollte er eben seinen Laden schließen. Da kam noch flink Fräulein Laura aus der Rose gelaufen. Über Herrn Amhags Ankunft hatte sie das Einkaufen vergessen, nun wollte sie noch dies und das. Herr Häferlein gab ihr alles, er redete auch freundlich wie sonst, aber Laura sah doch, daß er traurig war. »Was fehlt Ihnen, Herr Nachbar,« fragte sie heiter, »fürchten Sie, es regnet morgen?«

»Nein,« antwortete der Kaufmann, »es wird wohl nicht regnen, aber ich werde allein spazierengehen, und das macht mir keine Freude. An Wochentagen tu ich's gern, aber an Feiertagen will ich mit fröhlichen Menschen zusammensein. Meine Schwester wollte mich mit ihren Kindern besuchen, nun hat sie abgeschrieben, und ich bin allein!« Er seufzte und Fräulein Laura seufzte, und dann sagte Herr Häferlein wieder: »Es ist doch traurig, wenn man allein ist!«

»Ja,« sagte Fräulein Laura, »das ist sehr schwer; ich wäre auch froh, wenn ich noch zu meinen Eltern fahren könnte.« Und dann erzählte sie zum ersten Mal von dem kleinen Laden, der ihrem Vater gehört hatte.

In der Rose dachte Frau Tippelmann ein paarmal, Laura kommt ja gar nicht wieder, na, gewiß hat Herr Häferlein sehr viel zu tun. Endlich aber kam Laura an, und als sie auspackte, fand sich's, daß sie die Hälfte von dem, was sie besorgen wollte, vergessen hatte. »Nein, so etwas!« brummte Frau Tippelmann erstaunt.

»Ja, so etwas!« sagte Laura und fiel ihr lachend um den Hals. »Es ist nämlich so, Herr Häferlein und ich, wir wollen uns heiraten, und darüber habe ich den Kaffee vergessen, das Mehl und die Zitronen, und ich weiß nicht, was noch alles.«

»Lieber Himmel, Laura!« rief Frau Tippelmann. »Sie wollen in Breitenwert bleiben und in der krummen, häßlichen Löwengasse wohnen und gar in solch kleinem, dunklem Laden stehen?«

»Frau Tippelmann,« schrie Laura empört, »die Löwengasse ist nicht krumm, nicht häßlich, sie ist sehr malerisch und freundlich, und der Laden ist nicht dunkel, der ist – wie meines Vaters Laden war.«

»So, ist mir ganz neu!«

»Ach, Frau Tippelmann,« rief Laura wieder lachend, »ich weiß ja schon, Sie necken mich nur, und ich habe das einmal gesagt, aber heute sage ich nun doch: über die Löwengasse geht nichts. Und ich will mein Lebenlang hier bleiben; hier werde ich glücklich werden.«