Im gleichen Augenblick sagte oben im großen Gartenzimmer Alette auch zu ihrem Vater: »Ich möchte immer, immer in der Löwengasse wohnen!«

»Immer ist viel gesagt,« antwortete Herr Amhag; »wir wollen sagen einstweilen.«

»Mußt du wieder fort?« fragte Alette erschrocken. »Ach, bleibe hier, hier ist's doch viel, viel schöner als in der ganzen Welt.«

»Schöner als in der ganzen Welt, Kind,« wiederholte der Vater sinnend, »das ist es immer nur in der Heimat.« Er sah in den Garten hinab, der im sanften Schatten des Frühlingsabends träumte, und er dachte an seines Vaters Erzählungen, der hatte die alte Heimat auch über alles geliebt. Wohl dem, der einen Ort auf der Welt hat, an den er mit rechter Heimatsehnsucht denken kann. Auf einmal fühlte Herr Amhag, wie arm seine kleine Alette in allem Reichtum bisher gewesen war, und er strich ihr liebevoll die heißen Wangen. »Das Immer-hierbleiben kann ich dir freilich nicht versprechen, Kind,« sagte er, »aber fremd soll uns Breitenwert nie mehr werden. Morgen aber wollen wir ein fröhliches Pfingstfest feiern in der alten Heimat. Und nun geh schlafen, damit du morgen recht feiertagsfroh erwachst.«

Am nächsten Tag war zwar kein rechtes Pfingstwetter; es war ziemlich grau und sonnenlos, aber sie feierten doch alle in der Löwengasse ein sehr fröhliches Fest. Herr Amhag ging mit Alette durch die Straßen des alten Städtchens, und oft blieb er stehen und sagte: »Davon hat mein Vater erzählt, hier ist er zur Schule gegangen, diesen alten Turm hat er besonders geliebt.«

Sie besuchten auch beide die Freunde im Silbernen Stern. Denen gefiel es gut dort, sie sagten, in einem so hübschen alten Gasthaus hätten sie noch nie gewohnt. Die alte Dame war besonders stolz, sie hatte nämlich das Königszimmer. Sie sagte: »So etwas kann man in Amerika doch nicht haben; in einem Königszimmer kann man nicht wohnen, weil es keine Könige gibt, schade!«

Die jungen Damen aber sagten: »Am besten gefallen uns die beiden Boys, die sind so nett; so nette Kinder haben wir noch nie gesehen.«

Die netten Sternbübles hörten das Lob nicht; sie saßen mit den Grillschen Kindern auf dem Turm vom Räuberschlößle und überlegten sich, wie sie Herrn Häferlein recht feierlich zu seiner Verlobung Glück wünschen könnten. So einfach bums! hingehen und sagen: »Wir wünschen Glück,« wollten sie alle nicht. Herr Häferlein, der nette, gute Herr Häferlein verdiente schon eine Überraschung, eine recht feine Überraschung. Sie überlegten hin, sie überlegten her, viele Köpfe, viele Sinne, auf einmal aber schrieen alle: »Das wird fein!«

Und danach hatten sie es alle sehr eilig. Blumen wurden gepflückt, Kränze gewunden. Die Sternbübles liefen zu ihrem Oheim Adam Hinz und gaben dem viele himmelgute Worte, bis er mit ihnen wirklich in seinen Laden ging, ihnen etwas daraus schenkte, dabei aber sagte: »Denkt an den ersten April.« Darauf versicherten die Sternbübles hoch und heilig, es würde keine Dummheit, sondern eine feine Überraschung, und die Lindenkinder täten mit.

»Na, dann mag's sein,« sagte Onkel Adam Hinz, »wenn's nur gelingt!«