Die suchten inzwischen ihr Kasperle mit wachsender Angst. Der Vater tröstete zwar: »Wir finden ihn schon; in unserm Breitenwert geht nicht leicht ein Kind verloren,« doch der Mutter Herz wurde schwer vor Sorge.

Trinle heulte verzweifelt, und die Brüder rasten immer wieder die Gasse entlang und schrieen des Bübles Namen. Tiefbetrübt und schier ganz und gar verzagt war Herr Baldan. Der gehörte zu den Menschen, die immer gleich ein Unglück vermuten. Stand am Himmel eine tellergroße Wolke, dann sagte er sicher: »Es gibt ein Gewitter,« und regnete es einen Tag, dann redete er von einer ungeheuren Überschwemmung, die kommen würde. An diesem Nachmittag klagte er immerzu: »Das Kasperle ist verloren, ganz sicher. Ich hab's gleich geahnt; ein Tag, der so anfängt, mit Affen und so viel Geschrei und Trara, der bringt Unheil.«

Er redete das zu dem Gehilfen, und der erwiderte spöttisch: »Na ja, eins haben wir schon gehabt, den Streit mit Herrn Häferlein.«

»Nun,« rief Herr Baldan, »ist daran nicht etwa der Affe schuld, der August?«

»August! August!« schrie es draußen ganz laut und gellend, und Herrn Baldan blieb vor Schreck der Mund offen stehen. Was war das?

Von der Gasse herein tönte das Rufen, tönte lautes Geschrei; die Stimmen der Grillschen Kinder waren vor allen andern zu hören. Der Provisor stürzte hinaus.

Um Himmelswillen, man brachte gewiß Kasperle, seinen Liebling!

»Wo ist er, wo ist er?« Herrn Baldans Rufen mischte sich in das Geschrei der andern.

»Da ist er, da ist er,« jauchzten ein paar Buben.

»O du heiliger Bimbam, was ist das?« Der Provisor knickte vor Schreck zusammen, denn etwas Schwarzes war ihm auf die Schulter gesprungen, das saß da und wollte anscheinend dableiben, denn Herr Baldan fühlte sich recht fest umklammert.