»Und wenn es nicht gestorben ist, dann sitzt es heute noch da,« schloß Mathes sehr eigenmächtig die Geschichte. »Fein!«
»Ich hab Hunger,« rief Peter, der sehr geschwind aus der Märchenwelt in den Alltag zurückfand. »Geh, Gundele, hol mir was!«
»Mir auch,« verlangte Mathes, und Gundel ging auch, den Wunsch der beiden zu erfüllen. Unten fand sie Mina am Herd stehen, die briet Hühner und sagte dabei kaltherzig: »Die Bübles müssen heute hungern, das ist gesund. Ein Krankensüpple gibt's gleich, mehr nicht.«
Gundel schlich sich traurig wieder hinauf und verkündete beiden mitleidig das harte Urteil. Das gab neues Jammergeschrei, und Mathes rief bitterböse: »Daran ist Herr Häferlein schuld! Och, och, ich hab so großen Hunger!«
»Mein Bauch tut so weh!« Peter stöhnte arg.
»Gerade darum ist das Süpple gut,« sagte von der Türe her die zweite Sternmagd Käthle, die die Krankensuppe kochte.
»Er tut vor Hunger so weh!«
Aber Käthle ließ sich auf keine Verhandlung ein, und als Mathes schlau fragte: »Kriegt Gundele ihr Abendessen net auch?« da antwortete sie spöttisch: »Gundele ißt unten. Das wär was, hier oben eßt ihr ihr alles weg, und sie bekommt nichts.«
»Gundele muß bleiben; wir haben so viel Sehnsucht nach ihr,« klagten die beiden. »Gundele bleib!«
»Eure Sehnsucht, die kenn ich.« Käthle war genau so unbarmherzig wie Mina, nichts rührte sie, auch Gundeles Bitten nicht, die wirklich gern ihr Abendbrot den Brüdern geopfert hätte. Sie taten ihr so leid, und sie folgte traurig der Magd. Die Buben aber löffelten trübselig ihre Suppe aus, klagten sich noch eine Weile ihre Not, schalten auf Herrn Häferlein, dem sie alle Schuld gaben, und schliefen dann ein. Als die Mutter später noch nach ihnen sehen kam, da pusteten und schnarchten sie wie zwei kleine Bären, nichts bedrückte sie mehr, nicht einmal die ungemachten Schulaufgaben.