Die Zuschauer verliefen sich, sie lachten nun doch über den Spaß. Auch der Polizist ging von dannen, der Bäckermeister tat es auch, brummend freilich, denn er hätte den Sternbuben eine tüchtige Strafe gegönnt, und nur Herr Häferlein blieb vor seinem Laden stehen. Er war ganz traurig. Hartherzig, grausam sollte er sein, bloß weil er die unnützen Buben hatte strafen wollen. Er seufzte schwer; eine verkehrte Welt, eine ganz verkehrte Welt, dachte er.

Da kam Fräulein Laura aus der Linde zurück. Sie blieb ein Weilchen mitten auf der Gasse stehen, die lag noch halb in der Sonne, halb schon im Schatten, die Rose aber stand auf der Sonnenseite. Eigentlich ist's doch ein hübsches Haus, dachte Laura, sehr hübsch. Auf einmal sah sie Herrn Häferlein vor seiner Türe stehen mit einem Gesicht wie ein Novembertag. Dem gutmütigen Fräulein tat das leid. Sie trat rasch näher und sagte freundlich: »Es war sehr nett von Ihnen, daß Sie die Buben laufen ließen, Herr – Herr –« Laura sah zu dem Ladenschild empor, »ach, Sie heißen ja Häferlein, August ist nur Ihr Vorname.«

»Ja!« Der Kaufmann sah immer noch etwas gekränkt drein. »Eigentlich ist's ein guter Name. Mein Vater hieß so und mein Großvater, aber freilich, – einen Affen habe ich noch nie August nennen hören.«

»Daran bin ich schuld,« antwortete Laura. »Als ich den Affen sah, mußte ich lachen und sagte: ›Nein, so ein komischer August!‹ Dies hat Alette so gefallen, daß sie das Tierchen dann August genannt hat. Ich will ihr's aber sagen, sie soll es wieder Pussie nennen wie früher, solange wir hier sind.«

Herrn Häferleins Gesicht wurde nun ganz hell, das letzte Restchen Groll entwich daraus. Und weil er ein höflicher Mann war, verneigte er sich und sagte wohl sechsmal: »Das ist zu nett, zu nett.«

Und als er mit aller Dienerei und Nettsagerei endlich fertig war, klappte die Türe, Laura war in das Haus zur Rose eingetreten, und Herr Häferlein stand wieder allein auf der Gasse.


Sechstes Kapitel.
In der Linde.