»Es hat einen Turm,« berichtete Trinle. »Johann freilich, unser Gärtner, sagt, der fällt bald ein und die Decke auch, aber fein ist's doch!«
»Und schmutzig auch nicht,« schwätzte Kasperle. »Nur Berta nennt mich immer Dreckbartele, der aus dem Schmierwinkele kommt.«
Da ging denn Alette neugierig mit, um dieses seltsame Wunderwerk zu schauen. Sie dachte es sich groß und düster, fürchtete sich heimlich ein wenig und blieb dann höchst verdutzt vor einem kleinen Gartenhaus stehen, das einen lächerlich kurzen, dicken Turm hatte. Das ganze Ding sah aus, als hätte beim Bauen einer aus Versehen den Turm wo anders hergenommen.
»Gelt, fein ist's!« rief Steffen und stieß die Türe auf, die schon etwas morsch war. Drinnen standen Gartengeräte, ein paar Stühle und Tische, die offenbar hier überwintert hatten. Eine blitzeblaue Tapete bedeckte die Wände, und an der Seite führte eine altersschwache Holztreppe zum Turm hinauf.
»Dort oben ist's am schönsten, dort sitzen wir immer, wenn wir Ritter und Räuber spielen,« erklärte Veit mit stolzer Handbewegung. »So gut spielt sich's nirgends wie hier.«
»Aber,« klagte Kasperle, »allweil muß ich 's Prinzeßle sein; Trinle will net.«
»Ich bin Räuber,« rief Trinle kühn; »weißt, Alette, du kannst fein Prinzessin sein, und ich raube dich und verstecke dich im Kaninchenstall oder im Kartoffelkeller, und die Buben befreien dich.«
»Ja, wir sind zusammen Prinzeßle,« bettelte Kasperle, und seine kleine, dicke Hand legte sich in die der Freundin. Da erschien der der Kaninchenstall und der Keller nicht mehr so furchtbar; mit dem Kasperle zusammen hielt sie es dort wohl aus. Und sie stieg auch ganz tapfer mit den Geschwistern die wackelige Treppe empor und überschaute von dort aus das Gewirr von Gärten und Höfen, das sich unter dem Turm ausbreitete. Über den Büschen lagen grüne Schleier, die Bäume schimmerten rötlich, alles erzählte vom Frühling, der bald kommen würde.
»Die Störche sind schon da,« rief Trinle froh, und Kasperle tat gleich seinen Mund auf und sang den Heimgekehrten jubelnd zu: