Damit war Kasperle zufrieden, und alle kletterten die Treppe hinab, um das Räuberschlößle zu verlassen, aber wie es wohl einst in richtigen Räuberwohnungen manchem ergangen sein mochte, sie fanden die Tür verschlossen, sich gefangen.

Alette Amhag erschrak sehr, aber die Grills lachten sie aus. »Ich steige durch das Fensterle und schließe euch die Türe auf,« erklärte Veit. Er öffnete das kleine Fenster und sprang hinaus; Steffen folgte. Beide liefen zur Türe und riefen von dort: »Er hat den Schlüssel mitgenommen.«

»Da springen wir auch durch das Fensterle,« sagte Trinle gelassen. Sie fand das weder aufregend noch sonderbar; aber Alette, die noch nie in ihrem Leben so etwas getan hatte, wehrte sich ängstlich: »Nein, nein, ich will nicht.«

Sie ist doch eine Zimpersuse, dachte Veit, und er sagte ein bißchen von oben herab: »Na, freilich, du bist ja auch net aus dem Löwengäßle!«

Alette Amhag erglühte tief. Das Wort kränkte sie, und schon stiegen ihr langsam die Tränen in die Augen, als Trinle sie tröstend umfing. »Ich helfe dir, das lernst du schon.«

Trinle half, Steffen half, Veit wollte helfen und Kasperle auch, und es ging nach dem Wort, daß viele Köche den Brei verderben. Alette kam so ungeschickt als möglich aus dem Räuberschlößle heraus: ihr seidenes Kleid trug drei lange Risse davon, und daß sie nicht auf die Nase fiel, war ein Wunder zu nennen.

Über das zerrissene Kleid war Trinle außer sich, Alette gar nicht; die tröstete: »Ich gehe gleich hinüber und ziehe ein anderes an.«

Doch Trinle stellte ihr Jammern nicht ein, und die Brüder riefen geärgert: »Na, wenn sie sich selbst net grämt und noch so viele hat, dann brauchst du doch net zu jammern, als hätte sich Alette den Kopf abgerissen.«

Aber da wurde Trinle böse. »Über ein zerrissenes Sonntagskleidle muß man sich wohl grämen,« rief sie, »sonst ist man ein Schlumperle.«

»Na, da gräm dich!« fuhr Steffen Alette an, und obgleich die gar nicht wußte, was eigentlich ein Schlumperle war, fing sie doch gleich an zu weinen, und die Geschwister mußten sie alle miteinander trösten.