»Hu!« kreischte Laura und wich entsetzt zurück, »was für 'n Tier!«

»Das ist doch nur Schnupperle!« rief Veit gekränkt. »Und überhaupt, hier ist's doch fein!«

»Was, fein? Ich möchte wissen, was hier fein ist!« schalt Laura. »Und nun sagt einmal, warum sind wir eigentlich ausgerissen?«

»Wegen Herrn Baldan; weil der mit Herrn Häferlein geredet hat und Herr Häferlein doch nicht da war, und sich Herr Baldan darum ärgert, wenn man das hört, darum!« erklärte Veit.

»Ach!« Laura riß Mund und Augen sperrangelweit auf; sie war noch genau so klug wie vorher, und wenn ihr jemand etwas auf Chaldäisch gesagt hätte, so hätte sie nicht weniger verstanden. Eins nur merkte sie, daß die Flucht nicht so nötig gewesen war, und sie sagte: »Alette, erzähl du mal, wo –«

»Im Räuberschlößle habe ich mein Kleid zerrissen,« unterbrach sie Alette rasch, die dachte, die Frage gelte dem Kleid.

»Dein Kleid?« Nun erst sah Laura die drei Risse; sie wollte schelten, aber sie kam nicht dazu, denn nun redete Trinle, und Kasperle, Veit und Steffen sagten auch etwas. Alette sprach mit hinein, und Schnupperle schrie fortgesetzt »mäh, mäh!« Dazu war es so eng im Stall und roch sehr schlecht. Laura stöhnte: »Laßt mich raus, und du, Alette, komm, du erzählst mir drüben alles!«

Die Grills fanden Laura etwas sehr schwer von Begriffen; sie hatten sich doch so viele Mühe gegeben, ihr alles zu erklären. Sie söhnten sich aber rasch mit ihr aus, da Laura, die sah, wie ungern sich Alette von den neuen Freunden trennte, gutmütig alle vier Nachbarskinder zu Schokolade und Kuchen einlud. »Samstag,« sagte sie; das war übermorgen, also bald. Nur Kasperle klagte: »So lange!«

»Drüben gibt's wenigstens keine Räuberhöhle und keinen Stall!« meinte Laura.