»Kommt auch nichts dabei heraus. Denn wenn zwei zanken um ein Ei, steckt's der dritte bei,« gab Frau Tippelmann zur Antwort. »Und nun gute Nacht!«

Herr Häferlein sah seiner Nachbarin voll Bewunderung nach. Sie ist doch eine erstaunlich kluge Frau, dachte er, immer weiß sie für alles das rechte Wort. Na ja, an mir soll es nicht liegen, ich will mich schon mit Herrn Baldan versöhnen! Nur die Sternbuben, die müssen eins ausgewischt kriegen.

Herr Häferlein schloß seinen Laden und lief auf einem Umweg in den Stern.

Herr Baldan verließ nur um zehn Minuten später die Lindenapotheke und kam eine halbe Minute vor dem Kaufmann im Stern an. Ihm wäre ein Umweg auch gut gewesen, da hätte er sich vielleicht ausgescholten. Seit er am Nachmittag so sonderbar im Räuberschlößle in seiner Rede gestört worden war, hatte er noch keinen Augenblick Zeit gehabt, weiter mit Herrn Häferlein abzurechnen. Sein Groll lebte noch, und kaum erblickte er den freundlichen Nachbar, da fuhr er diesen an: »Ei, pfui, Herr Häferlein, Sie haben sich aber nicht nett benommen!«

Wenn nun einer, der gerade versöhnliche Gedanken im Herzen trägt, so angeschrien wird, dann ärgert er sich meist, und Herr Häferlein ärgerte sich sehr. Er gab eine patzige Antwort, und zum Überfluß fragte noch jemand: »Haben Sie Ihren Affen mitgebracht?«

Da war es aus. Hui, fuhr Herr Häferlein auf! Frau Tippelmann hatte einmal von ihm gesagt, er gliche einem Töpfchen voll Sahne, er sei sanft und mild, aber wenn er einmal ins Kochen gerate, dann sei kein Halten mehr, er brodele über.

So war es jetzt. Ein paar Gäste redeten freundlich zu. Herr Baldan selbst hätte gern eingelenkt, aber das half nichts. Der Kaufmann sagte seinem ehemaligen Freund bitterböse Worte; dann lief er zu der einen Türe hinaus, Herr Baldan zur andern. Draußen rannte einer nach rechts, der andere nach links, und dann kamen sie doch beide zu gleicher Zeit in der Löwengasse an. Hier fuhren sie noch einmal aufeinander los, und jeder dachte bei sich: Nun ist es aus, ganz aus mit der Freundschaft.

Bei diesem Streit, der den beiden ehemaligen Freunden trübe Stunden genug schaffte, waren die beiden Sternbuben gut weggekommen, denn Herr Häferlein hatte in seinem Ärger vergessen, sie bei der Mutter zu verklagen. Die hatte gedroht: »Kommt Herr Häferlein, dann mag er euch selbst bestrafen.« Doch dies Ungemach ging an beiden vorüber, und sie spazierten an diesem Abend höchst vergnügt zu Bett. Es war leider so, die Sternbuben fanden ihren Streich sehr lustig, und obgleich ihre Schwester Gundel geklagt hatte, sie wären böse, erklärten sie doch immer wieder, es wäre fein gewesen. Freilich meinten sie nicht die Minuten damit, die sie in Herrn Häferleins Händen gewesen waren; da schüttelten sie sich noch in der Erinnerung. Sie hatten das Gundel mit großem Eifer geschildert; grausig war es gewesen, wie Herr Häferlein sie gepackt hatte und sie beinahe geschlagen hätte, – wenn nicht Alette Amhag gekommen wäre.

O Alette! Die Sternbuben waren ein paar wilde, unnütze Schlingel, frech, faul, borstig, meist auch etwas schmutzig, zu vielerlei Missetaten aufgelegt, und doch blühten auch in den Gärtlein ihrer Herzen schöne Blumen. Vor lauter Unkraut waren sie oft nicht zu sehen, aber vorhanden waren sie, und an diesem Tag hatte die Dankbarkeit ihren lichten Kelch entfaltet, die Dankbarkeit für das freundliebe Mädchen, das sie aus Herrn Häferleins Händen befreit hatte.