Frau Tippelmanns Gesicht hellte sich auf; es war, als hätte sie sich geschwind mit Sonnenschein eingerieben, und freundlich versicherte sie: »Ich bin nicht böse, Kind. Nein, gewiß nicht! Nun nimm nur deinen dummen August, was wolltest du eigentlich mit ihm?«
»Der Hinkegundel zeigen,« schrie Kasperle; »die wartet.«
»Ach ja,« rief Alette erschrocken, »die sitzt auf dem Gäßle und weint. Ich will schnell, schnell zu ihr.«
»Alette, Alette,« mahnte Laura erschrocken, »du kannst doch nicht mit jedem Gassenkind spielen!« Doch Alette Amhag war schon aus der Stube und trabte draußen durch den Hausflur mit Kasperle. Frau Tippelmann aber sagte lächelnd: »Das ist nun mal in der Löwengasse so, und die Amhags stammten halt daher, daran ist nichts zu deuteln und zu drehen.«
»Ach was,« rief Laura geärgert, »für die Großmütter mag's gepaßt haben, Alette ist ein vornehmes Kind, das darf nicht hier bleiben! Ich hab's schon an Frau van Bachhoven geschrieben. Wir wollen nach Paris, das ist besser.«
»Bleibe im Lande und nähre dich redlich!« murmelte Frau Tippelmann. »Eine Amhag gehört in die Löwengasse, und ein Schnattergänschen mag meinetwegen über den Rhein fliegen.«
Das hörte Laura leider nicht mehr, die war den Kindern nachgelaufen und fand die beiden enttäuscht auf der Gasse stehen. Gundel war fort. Sie hatte lange und sehnsüchtig auf Alettes Wiederkehr gewartet, doch endlich war sie heimgehinkt mit schwerem Herzen. Aber sie dachte nicht mit Groll an Alette; für die hatte sie keinen Vorwurf. Nur als sie wieder daheim in ihrem Zimmer war, da flossen ihre Tränen von neuem, und diesmal rannen sie nicht allein aus Kummer um die Brüder, Alette Amhag war auch schuld daran. Ach, warum war sie nicht gekommen!
Achtes Kapitel.
Eine seltsame Entdeckung.
Alette wird traurig und wieder froh; sie geht einkaufen, und Laura sagt zu Herrn Häferlein, es sei gewiß langweilig in seinem Laden. Die Sternbuben sehen die Lindenkinder in die Rose gehen. Sie wollen arbeiten und denken an den ersten April. Wie sich die Nachbarsleute ganz unvermutet im Keller treffen, nachdem Herr Häferlein erst auf der Sauerkrauttonne gesessen hat. Frau Tippelmann schilt nicht, aber Laura denkt doch an die Abreise.