Das war ein seltener Entschluß. Gundel fragte auch darum ganz bedrückt: »Habt ihr wieder ein dummes Streichle gemacht?«

Bewahre! Die beiden verteidigten sich lebhaft. Ihr Gewissen war an diesem Tage so rein wie ein frischgewaschenes Mundtuch, und sie fingen auch wirklich sehr emsig zu arbeiten an, bis auf einmal Mathes sagte: »Am Dienstag ist erster April – ujeh!«

»Erster April!« Peters Augen blinkerten und glänzten da gleich vor lauter Lust, und Gundel rief erschrocken: »Ach je, ihr denkt schon wieder auf ein Dummheitle!«

Die beiden verteidigten sich wieder, versicherten, sie wüßten nicht das kleinste Späßle, sie hätten nur so gelacht.

»Jetzt wißt ihr noch keins, aber dann fällt euch eins ein,« sagte Gundel traurig, »ihr wollt doch brav werden!«

Ja, freilich, das wollten sie doch alle beide. Sie versuchten es also, den ersten April zu vergessen, und steckten wieder emsig die Nasen ins Buch. Sie waren augenblicklich viel gesetzter als die Grillschen, die im Haus zur Rose so viel schwatzten, daß Laura dachte: Das vertrage ich nicht.

Sie hörte aber doch zu, was die Geschwister zu berichten hatten, eine ungeheuer wichtige Neuigkeit. Kaum waren sie im Hause, da riefen sie alle stolz: »Wir verreisen.«

»Bald, nächste Woche schon,« sagte Veit, und Kasperle fügte hinzu: »Wir bleiben schrecklich lange, und ich fahr mit.«

Schrecklich lange! Alette Amhag sah tief erschrocken drein, und Trinle tröstete eifrig: »Schrecklich lange nicht, nur drei Tage.« Dann erzählten sie. Die Großmutter, Frau Grills Mutter, die zwei Stunden Bahnfahrt von Breitenwert entfernt wohnte, feierte am nächsten Sonnabend ihren siebzigsten Geburtstag. Dazu reisten sie alle am Freitag schon hin, und da dort alle Kinder und Kindeskinder der sehr geliebten Großmutter zusammenkamen, kehrten die Grills erst Dienstags heim. Weil ein siebzigster Geburtstag nicht alle Tage in einer Familie gefeiert wird und der Tag nun einmal nicht in die Ferien fallen wollte, hatten die Kinder frei bekommen. Schulfrei, so kurz vor den Ferien! Sie sagten alle vier, dies sei besonders fein, obgleich Kasperle doch noch immer Ferien hatte.