»Mäusle,« rief Trinle, aber der Bruder hörte nicht darauf. Der sagte eifrig: »Wir müssen hinunter.«
»Nein, ach nein,« jammerte Alette erschrocken, »nicht da hinein, ich fürchte mich so sehr!«
»Pah, Furchthäsle du!« rief Veit. »Fürchtest du dich auch, Trinle?«
Eigentlich graulte sich Trinle wirklich sehr vor dem unbekannten Kellerloch und vor den Mäusles drinnen, aber sie schämte sich vor den Brüdern ihrer Angst und sagte ganz kühn, ordentlich etwas protzig: »Natürlich geh ich mit runter. Fürchten? Pah!«
»Ich geh auch mit!« Kasperle jauchzte vor Abenteuerlust. Er wollte auch gleich das Treppchen abwärts steigen, aber Alette hielt ihn fest. »Du mußt hierbleiben,« bat sie angstvoll. »Du bist zu klein, sonst – sonst hole ich Frau Tippelmann.«
Die Geschwister überlegten, und Veit entschied. »Ja, Kasperle bleibt mit Alette erst mal oben, wir sehen, was unten ist.«
»Ich will mit,« kreischte Kasperle ungestüm. Er riß sich empört von seiner guten Freundin los, aber zu seinem Kummer sagten beide Brüder: »Du bleibst!« Kasperle zog einen schiefen Mund, er war gar nicht mit seinen Brüdern darin einer Meinung, daß die Jüngeren den Älteren manchmal folgen müssen. Er fügte sich aber, wenn auch sehr traurig, und trotzig brummte er seine Freundin Alette an: »Ich besuch dich nicht mehr.«
In Alettes Augen standen Tränen. Sie fürchtete sich entsetzlich vor dem dunklen Loch, sah mit Zittern und Zagen die Geschwister die Treppe hinabsteigen und sehnte Frau Tippelmann herbei. Doch die blieb fern, und Steffen, Veit und Trinle stiegen kühn in die unbekannte Tiefe hinab. Veit hatte vor kurzem von seinem Paten eine kleine elektrische Taschenlampe bekommen, die er ungeheuer stolz immer bei sich trug. Sie diente jetzt als Leuchte, und bei jedem Schritt sagte darum Veit: »Gut, daß ich meine Lampe habe!« Das Lämpchen erhellte unten notdürftig einen kleinen Kellerraum. Er war leer, aber Trinle erschien er schauriger als das ganze Räuberschlößle. »Es ist nichts hier,« flüsterte sie zitternd, »wir wollen zurückgehen, – Alette grault sich.«
»Du wohl auch?« Veit fragte dies sehr hohnvoll, und Trinle nahm ihr letztes kärgliches Restlein Mut zusammen und behauptete tapfer: »I wo!«
»Da geht's weiter,« schrie Steffen und deutete auf einen Gang. »Paßt auf, wir finden noch was!«