Im gleichen Augenblick gellte vorn nach der Löwengasse hinaus ein nicht minder ängstliches Rufen, und in der Nachbarschaft taten sich Türen und Fenster auf. Was war geschehen? Leute stürzten auf das Gäßlein hinaus, und aus der Lindenapotheke kam Herr Baldan mit langen Schritten angerast. »Bei Häferlein brennt's,« rief es, »dort ist was los!«
In Herrn Häferleins Laden war wirklich etwas los. Bleich, zitternd saß der Kaufmann auf einer Sauerkrauttonne, und sein schläfriger Gehilfe saß auf einer Siruptonne, und beide stöhnten nur immer: »Diebe! Diebe! Hilfe! Hilfe!«
Herr Baldan stürzte als erster in den Laden, ihn hatte der Hilferuf namenlos erschreckt; wie die Posaune des jüngsten Gerichts gellte ihm der in den Ohren. Sein Freund war in Not, mit dem er sich gestritten und noch nicht wieder versöhnt hatte. Schwer bedrückte ihn das, und als er Herrn Häferlein noch lebendig auf der Sauerkrauttonne sitzen sah, umfaßte er den Freund mit einem lauten Jubelschrei: »Gottlob, Sie leben, lieber Häferlein!«
»Lieber Baldan!« Der Kaufmann umarmte den Freund gerührt, all sein Groll war im Augenblick verflogen, und er war fast ärgerlich, daß so viele andere Leute auch in den Laden kamen. Aber freilich, die wollten ihm alle helfen, alle forschten und fragten: »Was ist los? Wo sind die Diebe?«
»Im Keller,« ächzte Herr Häferlein.
»Na, die wollen wir schon fassen!« Der dicke Bäckermeister Hering, er war natürlich auch dabei, sagte es entschlossen, und Herr Baldan rief mutig: »Die sollen uns nicht entwischen. Fritz, zeigen Sie uns den Weg!«
Doch Fritz blieb einem Jammerbilde gleich auf seinem Sirupfasse sitzen. »Ich kann nicht,« ächzte er nur.
»Na, Gott sei Dank, die Polizei!« Herr Häferlein atmete auf, als er einen Schutzmannshelm im Türrahmen erblickte, und Herr Baldan atmete auch auf. Der Kaufmann rutschte von seinem Krautthron herab und sagte nun, da der bewaffnete Helfer an seiner Seite stand: »Im Keller sind sie; gehen Sie voran, – ich komme mit. Fritz, schlafen Sie nicht, und passen Sie hier auf!«
Drüben in der Rose hatten auch Hilferufe das Haus durchgellt. Die waren aber nicht auf die Straße hinaus gedrungen, die hatten nur Frau Tippelmann und Laura arg erschreckt. Laura schrie gleich, als könnte sie damit Hilfe schaffen, Frau Tippelmann aber nahm kurz entschlossen einen Besen und ein Licht und herrschte Laura grob an: »Viel Geschrei und nichts dabei.«