Das war Oheim Adam Hinz, der seinen unnützen Neffen den Weg verstellte. »Was habt ihr wieder angestiftet, ihr Rangen?«
Mathes und Peter schauten gar nicht lustig drein ob dieser Begegnung. Sie hatten den Oheim seit dem bösen Strafgericht noch nicht gesehen, und gerade erfreulich ist solch ein Wiedersehen dann nicht. Sie wären himmelgern ausgerissen, aber der Oheim Adam mußte das ahnen, der hielt sie beide fest, und er redete natürlich von ihren Übeltaten. Die beiden Sternbübles seufzten schwer, sie standen wie auf einem Bratfeuerchen. Da sollten sie nun allerlei höchst peinliche Fragen beantworten, und inzwischen lief Alette Amhag wer weiß wohin. Ein rechtes Glück war es, daß jemand kam und den Oheim grüßte. Der griff natürlich als höflicher Mann an seinen Hut und ließ Peter los. Da rannte der eiligst davon, und als Oheim Adam ihn greifen wollte, entwischte Mathes. Sie jagten die Straße hinab und trafen sich erst in einer Nebengasse wieder, und in der ersten Freude über ihre gelungene Flucht vergaßen sie Alette. Als sie ihnen wieder einfiel, war sie ihren Blicken ganz entschwunden, und sie rannten nun eine Weile ziellos weiter, bis sie am Flußweg von ferne Alettes helles Kleid schimmern sahen.
Der kleine Fluß sah an diesem Tage wirklich gefährlich aus. Gar nicht sanft und klar wie sonst, dunkelgelb und dick geschwollen rauschte er wild daher. Er war sehr böse, weil die vielen kleinen Rinnsale, die er aufgenommen hatte, ihm alle erzählten, wie schlimm der Winter sie geplagt hätte. Der hätte sie mit Eisfesseln gebunden; sie hätten nicht hüpfen und eilen können, nicht lustig schwätzen wie sonst; ganz schrecklich langweilig wäre es gewesen!
»Unerhört, so ein Benehmen!« schalt der Fluß, und er rüttelte an allem, was er antraf. »Heisa, mich soll niemand mehr binden!« schrie er, und er nahm Bretter und Äste, auch einen alten Schuh, was er gerade fand, und warf alles gegen die Pfeiler einer kleinen alten Holzbrücke. Dies Brücklein ärgerte den Fluß immer sehr, es war ihm zu alt und unscheinbar. Er wollte es schon seit Jahren einreißen, und nie gelang es ihm. »Na warte, diesmal gelingt es!« jauchzte er und tobte mit aller Kraft dagegen. »Ich zerbreche dich, ich zerbreche dich doch!«
Auf der Torbrücke stand Alette Amhag. Sie starrte ängstlich in den Fluß hinab und traute sich auf einmal nicht weiter zu gehen. Sie wußte gar nicht recht, wo sie war, und so grenzenlos verlassen kam sie sich vor, daß sie in ihrem Kummer auf der Brücke niederkauerte und verzweifelt in das rauschende Wasser starrte. Ahnte sie es nicht, wie böse der Fluß war?
»Dort ist sie,« schrieen am Ufer die Sternbübles erschrocken. »Hei, über das Torbrückle darf man net gehen, das soll einfallen!«
»Wir holen sie runter,« schlug Mathes vor, »davon fällt's net gleich.«
Trapp, trapp, rannten sie der Brücke zu. Da hörten sie, wie von irgendwoher jemand schrie: »Runter von der Brücke, geschwind, geschwind!«