Alette Amhag hörte über dem Tosen des Wassers keine warnende Stimme. Sie sah auch nicht, wie die Sternbuben links und ein Mann rechts vom Ufer her eifrig zu winken begannen; sie sah nur das Wasser, hörte es donnern und tosen und fühlte auf einmal, wie die Brücke zu schwanken begann, just so, als führe sie auf einem Schiff.

Und plötzlich ein furchtbarer Stoß! Sie fühlte sich hochgeschleudert, ein lauter Angstschrei gellte auf – die Brücke stand nicht mehr.

Im Wasser wirbelten Balken und Bretter durcheinander, der Fluß jauchzte in toller, böser Lust und hob etwas Weißes empor, riß es wieder in seine dunkle Tiefe hinab, auf, nieder, auf, nieder.

Einen Herzschlag lang nur zögerten die Sternbübles am Ufer, sie schrieen nicht, sie sahen sich nur an, nickten sich zu, und dann sprangen sie ohne Besinnen in die rauschende Flut. Die Sternbübles konnten schwimmen wie die Fische; sie hatten schon oft im Flusse herumgeplanscht, aber so schwer war das noch nie gewesen. Der wilde Strudel packte sie, schleuderte sie hoch, da – Peter ergriff zuerst Alettes Kleid, und nun hatte es auch Mathes. Sie zerrten und zogen; wie schwer es doch war, wie furchtbar schwer! Das rauschte, wirbelte, platschte; der Fluß schrie vor Wut, Balken kamen angeschwommen, und die Buben kämpften einen harten Kampf. Auf, nieder, wieder empor, und da – war das Ufer.

Ein paar Männer kamen gerade angerannt, als die Buben mit letzter Kraft das Ufer zu erklimmen versuchten, sie rissen sie empor und brachten die beiden mit ihrer geretteten Bürde auf das trockene Land.

Die Sternbübles pusteten und spuckten. Sie konnten nichts sehen, so rann das Wasser an ihnen herab; aber sie waren doch noch höchst lebendig. Alette Amhag dagegen lag blaß, still, leblos auf der braunen Erde. Ein alter Mann beugte sich über sie und sagte trübe: »Sie ist tot.«

»Noi,« kreischten die Sternbübles, »sie muß lebendig sein.« Sie brüllten laut und verzweifelt los, und dies Geschrei lockte mehr Menschen herbei. Ein Mann nahm Alette empor, der sagte: »Hier tut schnelle Hilfe not, ich trag's Mädele rüber ins erste Haus.«

»Ins Spital,« rief jemand, »dort ist die beste Hilfe.«

Das Krankenhaus war nicht weit, es lag nur wenige Schritte entfernt, und der Mann, der Alette emporgehoben, trug sie nun eiligst hin. Die Sternbuben folgten triefend, zähneklappernd, aber sie konnten doch auf ihren Füßen stehen. Ein paar Männer erboten sich, sie nach Hause zu tragen, aber da schrieen beide wie aus einem Munde: »Noi, wir müssen bei dem Mädle bleiben, bis es lebendig ist.«