So schnell ging das freilich nicht. Der Arzt im Krankenhaus sah bedenklich drein, als er Alette erblickte, und als er hörte, wie die Buben die Kleine gerettet hatten, sagte er schnell: »Die sollen hierbleiben, die haben ein Recht dazu.«
Da taten die Schwestern, als wären die Sternbübles wirklich krank und müßten gepflegt werden, worüber die beiden mächtig stolz waren. Sie wurden gerieben, gerumpelt, bekamen einen heißen Trank und wurden in gewärmte Betten gesteckt. In denen wurde es ihnen so wohlig warm, als wären Hundstage draußen. Fein wäre es gewesen, nur die Angst um Alette quälte sie. Um die hatten sie wirklich herzhafte Angst, und immer wieder fragten sie: »Lebt sie schon?«
»Jetzt ist das Mädle gottlob aufgewacht!« rief da endlich eine Schwester zur Türe herein. »Der Himmel gebe, daß sie nun auch gesund wird!«
»Na freilich!« rief Mathes unverzagt, und dann tat er einen tiefen Seufzer: »Ich bin müde.«
»Ich auch,« brummte Peter.
»So schlaft ein Stündchen,« riet die Schwester. Wenn sie gedacht, sie müßte mehr zureden, dann hatte sie sich gewaltig geirrt. Die Buben wuschelten sich in ihre Betten ein und schliefen im Handumdrehen, und sie schliefen so fest, daß sie nichts von dem hörten, was um sie herum vorging.
Inzwischen lief die schlimme Kunde in die Löwengasse. Einer, der Alettes Unfall und ihre Rettung angesehen hatte, langte gerade an der Rose an, als Frau Tippelmann vor die Türe trat und nach Alette Ausschau hielt. Auch Laura kam dazu, auch die hatte nun doch Alette gesucht, und beiden Frauen teilte der Bote das Geschehene mit: »Ins Wasser gefallen und vielleicht ertrunken.«
Frau Tippelmann vergaß zum erstenmal, daß sie die Hüterin eines fremden Hauses war; sie rannte einfach die Löwengasse hinab, und Laura wollte ihr nachrennen, aber sie konnte nicht. Es schwankte ihr alles vor den Augen, die ganze Löwengasse fing an sich vor ihr zu drehen, und sie sank mit einem Wehlaut an der Türschwelle nieder. »Alette,« stöhnte sie, »Alette, was habe ich getan?«
»Herrjeh, Fräulein Laura fällt in Ohnmacht!« rief Herr Häferlein, der wieder einmal zu rechter Zeit die Nase aus seinem Laden herausstreckte. Er sprang herbei und suchte Laura zu stützen. »Fräulein Laura, Fräulein Laura,« jammerte er, »bitte sehr, sterben Sie nicht, ach, bitte nein, nein, bitte, tun Sie es nicht!«
»Die muß ein paar Tropfen haben, irgend so was aus der Apotheke,« sagte der Bote, und da lief auch schon Herr Häferlein hinüber, riß die Türe auf und schrie: »Baldrian, Baldrian!«