Den Sternbübles bekam das kalte Bad ausnehmend gut; nicht einmal ein Schnüpflein trugen sie davon. Nur ihr Magen mußte sich schrecklich erweitert haben, sie aßen am Abend wie ein paar Scheunendrescher, und sie seufzten am Morgen schon wieder vor Hunger. Nachdem sie leidlich satt waren, wanderten sie so brav und bieder mit Gundel zur Schule, als wären sie immer so gegangen, und selbst Frau Sekretär Schneider, die just ihren Staublappen zum Fenster herauswehen ließ, sagte, den Buben nachsehend: »Man sollte nicht denken, daß die netten Buben so schlimm sein könnten! Aber vielleicht wird's nun mit ihnen.«

Ähnlich dachte auch Herr Häferlein. Der sah die Sternkinder kommen, und dieses Mal nickte er ihnen zu und rief: »Wenn ihr heimkommt, besucht mich mal.«

Hui! Da rissen die Bübles geschwind ihre Mützen vom Kopf, grüßten so höflich und sagten so höflich »Ja!«, daß Herr Häferlein seine rechte Freude an ihnen hatte. »Die werden noch, die werden noch,« redete er ihnen nach.

Vor der Rose blieben die Kinder einen Augenblick stehen und schauten zu den verhängten Fenstern des ersten Stockes empor. Alette Amhag schlief wohl noch; sie hatte es ja gut, sie brauchte nicht in die Schule zu gehen. Heimlich dachten sie alle drei, wenn wir zurückkommen, steht Alette Amhag vielleicht auf dem Gäßle, sagt uns guten Tag, ja vielleicht wird es so, vielleicht.

Doch Alette Amhag schlief nicht mehr, aber aufstehen und auf das Gäßle gehen konnte sie auch nicht; sie war krank.

Eine lange bange Nacht lag hinter Frau Tippelmann, und Laura und der Arzt, der gleich am frühen Morgen kam, sprach von manchen sorgenvollen Tagen und Nächten, die noch kommen würden; er sagte es ernst: »Das Kind ist sehr krank.«

Laura weinte bitterlich, Frau Tippelmann jedoch blieb ruhig; sie klagte nicht, sie vergoß keine Träne, aber sie tat sacht und lind alles dem kranken Kind zuliebe, und der Arzt sah ihr zu und erklärte zufrieden: »In Ihrer Hut ist die Kleine gut verwahrt, eine bessere Pflegerin könnte ich nicht finden.«

Laura hörte das Wort, und sie schämte sich. Sie, die so viele Schuld an dem Unglück trug, die Alettes Kummer nicht hatte hören wollen, kam sich auf einmal sehr überflüssig vor. »Wäre Alette doch nie hierhergekommen,« stöhnte sie, »wäre sie bei Frau van Bachhoven geblieben!«

Vielleicht hatte Alette den Namen verstanden, sie schrie plötzlich angstvoll auf: »Trinle, Trinle, hilf mir, Frau van Bachhoven holt mich! Kasperle, hilf, ach, helft mir doch, ich will hierbleiben!«