»O je!« Trinle kreischte entsetzt, das war eine schlimme Sache. Veit und Steffen hatten, das wußte sie, ihre guten Anzüge an, weil sie nachher ihren Lehrer besuchen sollten. Die Mutter war nicht daheim, und mit Berta, des Hauses Stütze, war in diesen Tagen nicht gut reden, die dachte nur an das große Frühlingsscheuerfest, das nächstens beginnen sollte.
»Gute Hösles kann ich net flicken,« klagte Trinle, »das gerät mir net.«
»Darf ich helfen?« fragte da Gundel sanft. Sie konnte das Hösleflicken besonders gut; ihre Brüder sorgten für die rechte Übung.
»Ja, hilf du,« rief Trinle froh. Daran, daß Gundel eigentlich mit Veit und Steffen nicht gerade auf dem Fuß des Hösleflickens stand, dachte sie nicht. Sie vergaß auch im Eifer, den Brüdern zu helfen, den eigenen Groll und packte ihr Nähtäschele zusammen, tat hinein, was nur irgend gebraucht wurde, und zog mit Gundel und Kasperle nach dem Räuberschlößle.
Potzwetter, sah es da innen wüst aus! Herr Baldans lang vorausgesagter Einsturz war wirklich erfolgt. Die Turmtreppe war halb eingestürzt. Veit und Steffen saßen in ziemlich kläglicher Lage auf einem Trümmerhaufen, und wer sie nicht kannte, hätte sie gut und gern auf den ersten Blick für Räuberbuben halten können. »Hu,« kreischte Trinle, »wie seht ihr aus! Und die guten Sachen habt ihr an?«
»Sei froh, daß wir net was gebrochen haben,« brummte Veit. Er betrachtete tiefsinnig ein großes Dreieck auf seinem Knie. Steffen rieb sich den linken Arm; da klaffte ein Loch, und er fragte kleinlaut: »Hast du dein Nähtäschle mit?«
»Freilich,« rief Trinle, »und Gundele auch; Gundele hilft flicken.«
»Hm,« brummelten die Buben verlegen. Gundels Hilfe war ihnen nicht recht, sie sahen aber ein, daß zwei Flickerinnen schneller schaffen konnten, und eilig war es. Also taten sie, als wüßten sie nichts von einem Streit der letzten Tage, und Steffen zog als erster seine Jacke aus. Dabei stand er auf, und Trinle schrie erschrocken: »O je, hinten hast du aber ein Rißle, das schaff' ich nimmer!«
»So schlimm ist's noch nicht!« Steffen seufzte und tastete nach der verletzten Stelle. Da sagte Gundel tapfer: »Ich flick's schon, nur ausziehen mußt du die Hösles.«