Freilich, das mußte geschehen. Es war aber nicht gerade warm im Räuberschlößle, und sonst war es auch nicht angenehm, ohne Jacke und Hose dazustehen. Aber da wußte Trinle Rat. »Dort im Schränkle liegen die Gartendecken, nehmt die um,« riet sie, »und da im Eckle zieht ihr euch aus.«

Veit und Steffen sagten nicht »Unsinn« wie so manchmal bei der Schwester Ratschlägen; sie holten rasch die Decken heraus, und wenige Sekunden später lagen Hosen und Jacken vor den Mädels. Veit und Steffen aber saßen, in rotkarierte Decken gehüllt, auf einer alten Gartenbank. Sie schauten ziemlich kläglich drein, denn Trinle jammerte verzweifelt über die großen Löcher, an denen ihre Flickkunst zu scheitern drohte. Gundel sagte nichts; die ging tapfer an die Arbeit, und die Nadel flog so flink auf und ab, daß Trinle voll Bewunderung rief: »Du kannst es beinahe so gut wie Mutter!«

Gundel seufzte. »Ja, aber ein Stündele wird's dauern,« sagte sie bedrückt, »und – – –«

»Ha, ich weiß,« Trinle entsank gleich vor Schreck die Nadel, »du willst ja mit deinen Brüdern in die Bachmühle gehen!«

»Ja,« flüsterte Gundel, »die warten wohl schon auf dem Gäßle!«

Ein paar Augenblicke war es ganz still im Räuberschlößle. Veit und Steffen sahen ein, daß Gundel um ihrer Hösles willen nicht auf ihren Spaziergang verzichten konnte, sie ahnten aber dumpf, Trinle schaffe es nicht allein, und Trinle erkannte das selbst. Sie begann kläglich zu weinen: »Ich werde net fertig, wenn du gehst.«

Gundel überlegte. Sie wollte gern helfen, aber die Brüder so einfach im Stich lassen wollte sie auch nicht, und sie schlug schließlich vor: »Ich gehe aufs Gäßle und sag' es ihnen.«

»Nein, dann kommst du net wieder, ich – ich sag's ihnen,« schrie Trinle ängstlich. »Kasperle geht mit.«

»Ja,« riefen Steffen und Veit, »sag du's!« Sie spürten es nämlich beide, Gundel verstand das Flicken besser als Trinle; die brachte in fünf Minuten so viel fertig wie die Schwester in einer Viertelstunde. Da war es schon besser, sie blieb.

»Ich geh!« Trinle sprang jäh auf; ihr war plötzlich etwas eingefallen, und sie nahm Kasperle bei der Hand, zog ihn mit hinaus und rannte eilig durch den Garten dem Hause zu, ohne auf Gundels und der Brüder Rufen zu achten.