Die Sternbübles warteten wirklich schon in der Löwengasse auf die Schwester, und sie waren höchst verwundert, als Trinle statt dieser auf sie zukam. Trinle hatte sich gedacht: Ich hol die Sternbübles schwipp schwapp hinein. Jetzt können Veit und Steffen net ausreißen, weil sie keine Hösles haben, und da versöhnen sie sich. Aber so schwipp schwapp ging das nicht; die Sternbübles wollten nicht. Die stellten sich ganz widerborstig vor Trinle hin und erklärten: »Nein, zu euch in die Linde kommen wir net, ihr seid zu wüst.«
Das war arg, und Trinle sah ein paar Herzschläge lang gar nicht wie ein Friedensengel aus, sondern viel eher wie ein kleiner Kriegsteufel. Sie schnappte nach Luft, wollte bitterböse Worte sagen, besann sich aber noch rechtzeitig und rief: »Wir sind doch net im Haus, wir sind im Räuberschlößle, und Gundel – ja Gundel will euch was sagen!«
Im Räuberschlößle! Den Sternbübles blinkerten die Augen. Sie hatten schon viel von dem Grillschen Räuberschloß gehört, hätten es himmelgern längst gesehen, und nun sollten sie hinein, wurden sogar darum gebeten. Sollten sie da nein sagen? »Na ja,« brummelten sie endlich, »wenn Gundele will.« An ihren Nasenspitzen konnte man es ihnen freilich ansehen, daß sie selbst wollten, denn sie trabten höchst vergnügt neben Trinle und Kasperle durch das Haus in den Garten hinein. Und da war das Räuberschlößle und – –
Die Überraschung war auf beiden Seiten groß. Die vier Buben starrten sich sprachlos an, und Trinle, das hinterlistige Trinle tat, als wäre alles in schönster Ordnung. Sie sagte zu Gundel: »Da sind die Bübles, sie warten, bis du fertig bist.«
Veit und Steffen hatten just gedacht: Wir werfen sie hinaus, da fielen ihnen die ungestopften Hosen ein. Ja, wenn sie die Brüder rauswarfen, dann ging auch Gundel, und dann – – –
»Wie fein du das machst!« rief Trinle schlau und voller Bewunderung. »Ich brächt's net in drei Stunden so gut fertig.«
Gundel flickte in tödlicher Verlegenheit, so schnell sie konnte. Die Anwesenheit der Brüder bedrückte sie. Wenn es nun Streit gab! Doch es gab keinen Streit. Mathes und Peter waren so entzückt von dem Räuberschlößle, das mit seiner eingepurzelten Treppe mehr als je einer Rumpelbude glich, daß sie beide sagten: »Hier ist's fein.«
Diese Bewunderung erfreute Veit und Steffen sehr, auch erzählten sie gern, wie die Treppe eingefallen war, sie beinahe herabgestürzt wären und eigentlich von rechtswegen jetzt halb tot daliegen müßten. Ein überstandenes Abenteuer zu erzählen, ist immer sehr vergnüglich, namentlich wenn zwei so mit Lust zuhören wie die Sternbübles. Denen wieder tat die Erkenntnis sehr wohl, daß die braven Lindenbuben sich auch einmal die Hösles zerrissen, auch dumme Streiche machten, und am meisten gefielen ihnen die umgehängten Tischdecken.
Mathes sagte: »Ich glaub', wie ihr haben die römischen Kaiser ausgesehen.«