Das war ein Wort. Darüber flog alle Feindschaft zum Fenster hinaus, denn allen vier Buben fiel ein, sie könnten einmal gut Römer spielen; das Räuberschlößle konnte das Kapitol sein, das verteidigt wurde. Trinle redete eifrig mit, Kasperle schrie, er wolle auch Römer sein, nur Gundel schwieg. Als sie aber aufatmend Veits Hösle fortlegte und sagte: »Die sind fertig,« riefen die Buben begeistert: »Gundele wird dann die Mutter der Gracchen.«
Die hohe Ehre ließ Gundel tief erröten, und wenn möglich nahm sie sich noch eifriger Steffens Hösles an, denn Trinle erklärte: »Ich bring das Löchle net zu, es ist zu groß.«
Gundel aber brachte das Löchle zu, gerade noch zur rechten Zeit. Zwei Minuten blieben Veit und Steffen noch, um sich wieder aus römischen Kaisern in zwei Breitenwerter Schulbuben zu verwandeln. Dann aber war es die höchste Zeit; zum Abschiednehmen blieb keine Zeit. Im Davonrasen rief Veit nur noch: »Morgen spielen wir.«
»Ja, morgen,« schrieen die Sternbübles zurück.
»Kommt vorbei, wenn ihr in die Schule geht,« brüllte Steffen. Da schlug die Gartentüre hinter ihm zu, und Gundel, die Trinles Nähtäschele eingepackt hatte, sagte sanft: »Nun müssen wir uns aber eilen, sonst wird's zu spät.«
»Wir begleiten euch ein Stückle, Kasperle und ich,« sagte Trinle rasch, und dann wanderten sie alle fünf einträchtig die Löwengasse entlang. Dabei trafen sie Frau Tippelmann, die eben von Veit und Steffen beinahe umgerannt worden wäre. Als die Trinle, Kasperle und die Sternkinder so einträchtig daherkommen sah, blieb sie stehen und fragte erstaunt: »Je, ihr seid wohl jetzt gut miteinander?«
»Ja,« antwortete Trinle geschwind, »wir haben uns versöhnt.«
»Und deine Brüderles, warum sind die denn ausgerissen?«
»Ausgerissen sind die net, die machen nur einen Besuch.« Und geschwind erzählte Trinle die Geschichte von den zerrissenen Hösles, rühmte Gundels Flickkunst und schloß zufrieden: »Nun sind wir alle Freunde.«
»Ist recht,« sagte Frau Tippelmann, »vertragt euch miteinander. Haß und Streit bringen nur Leid. Ich will's Alette erzählen, vielleicht freut sie sich über eure Versöhnung.«