Alette hatte mit einem Jubelschrei Frau Tippelmann umschlungen, und an dem Halse der alten treuen Frau weinte sie heiße, heiße Tränen.

»Das Kind wird kränker,« schluchzte Laura, »Herr Häferlein muß den Doktor holen.« Sie rannte hinaus, lief zu dem Nachbar hinüber, und der eilte wirklich, wie er ging und stand, und holte den Arzt herbei. Er traf ihn unterwegs, und der gute, freundliche Doktor, der nicht mehr so jung und etwas wohlbeleibt war, kam völlig außer Atem in der Löwengasse an, denn Herr Häferlein trieb unablässig zur Eile. Und zuletzt zerrte und zog Laura den Arzt noch die Treppe hinauf, daß der meinte, Alette Amhag sei nun wohl schon tot. Als er aber das Zimmer betrat, fand er die Kranke in Frau Tippelmanns Armen liegend, ein glückseliges Lächeln auf dem blassen Gesichtchen.

»Sie wird gesund, nun gewiß,« rief Frau Tippelmann dem Arzt entgegen.

»Ja, das scheint mir auch so,« sagte der heiter. »Da hätte ich freilich langsamer gehen können. Herr Häferlein hat wohl gedacht, ich wäre ein Automobil geworden und könnte so flink rennen?«

Alette Amhag lachte ihr frohes Glöckchenlachen, über das sich Frau Tippelmann am ersten Tage so gefreut hatte, und der Doktor lachte herzhaft mit. »Na, mir ist die Rennerei schon recht; wer erst wieder lachen kann, der spaziert der Gesundheit entgegen. Aber nun fein brav sein, damit – – –«

»Ich Ostern in die Schule gehen kann,« flüsterte Alette. »Ach, ich freu' mich so!«


Dreizehntes Kapitel.
Was aus Frau Tippelmann wird.