Herr Häferlein fragt nicht nach den Zeugnissen. Die Sternbuben finden, die Uhren hätten es eilig, aber Alette Amhag meint, sie gingen im Schneckengang. Es ist Feiertagswetter, und Gundel erzählt Märchen. Jemand findet Breitenwert sehr häßlich. Herr Häferlein rennt noch einmal zum Doktor, und Frau von Bachhoven redet mit Frau Tippelmann; sie ärgert sich über das deutsche Gemüt, und die Sternbuben müssen erzählen, und schließlich sind alle froh über den Besuch.

»Jetzt wird unsere Alette bald gesund; heute hat sie geschlafen wie ein Murmeltier,« erzählte Laura am nächsten Tage Herrn Häferlein. »Nun werfe ich Ihnen keinen Stein mehr an das Fenster.«

»Ei, was das Steinwerfen anbelangt, das war nicht schlimm,« sagte der höfliche Kaufmann, »aber das Gesundwerden freut mich und sicher alle Leute in der Löwengasse!«

Damit sagte der gute Herr Häferlein nicht zu viel. Die ganze Löwengasse freute sich wirklich über Alette Amhags Genesung, am meisten aber Linde und Stern. Frau Grill ging jeden Tag in die Rose; die Sternwirtin schickte dies und das, und die Kinder stürzten wie Habichte auf Frau Tippelmann oder Laura zu, wenn sich eine von ihnen blicken ließ. »Wie geht's Alette? Steht sie bald auf? Dürfen wir sie bald besuchen?«

»Ja, bald, bald; sie freut sich schon auf euch!«

Es vergingen aber immer noch etliche Tage, ehe Trinle Grill als erste Besucherin das Krankenzimmer betreten durfte, just am ersten Ferientag dazu. Als Trinle eintrat in das Zimmer, dessen Fenster offen standen, um die Sonne, die heute wieder frühlingslustig schien, einzulassen, hörte sie lauten Lärm. Sie blieb erschrocken stehen und sah scheu nach dem Bett hin, in dem Alette noch blaß wie ein weißes Blümchen lag. »Die Bübles schreien so arg,« stammelte Trinle.

»Das klingt lustig!« Alette streckte der Freundin die Hand hin, und da vergaß Trinle den Lärm draußen in der Freude, die Kameradin wiederzusehen.

Ein Viertelstündchen war ihnen beiden nur vergönnt, da mußte sich Trinle arg sputen, um nur ein Hundertstel von allem, was sie auf dem Herzen hatte, herauszuschwätzen. Die Viertelstunde tat einen Hopser – aus war sie. Beim Abschied aber konnten doch beide sagen: »Morgen.« Am nächsten Tag hieß es dann: »Und morgen bringe ich Gundele mit.« Und Gundel kam, und die Buben alle, Kasperle zuerst; der wollte gar nicht wieder fort. Gundel war schüchtern, aber gegen Mathes und Peter war sie fast geschwätzig. So etwas! Die Sternbübles taten den Mund nicht auf, aber am nächsten Tage kamen sie doch wieder, sogar eine halbe Stunde zu früh. Da wanderten sie vor der Rose auf und ab und unterhielten sich mit Herrn Häferlein genau so, als wären sie nie die schlimmen, gefürchteten Sternbübles gewesen.

Herr Häferlein war auch wirklich sehr nett; der tat keine Frage nach den Zeugnissen, wie es damit und mit dem Versetztsein bestellt sei. Das war gut, denn daran hatten die beiden Schelme gesehen, daß einer nicht im Handumdrehen auf den ersten Platz im Leben kommt. Die Mutter hatte doch ein wenig geseufzt über die Zeugnisse, aber dann dachte sie an den Tag, da sie ihre Buben im Krankenhaus gefunden, und sie fragte mild: »Wird's besser werden das nächste Mal?«

»Ja,« sagten die Bübles schnell ganz fest und ehrlich, und Gundel sagte auch ja; sie sagte es für die Brüder mit, und da lächelte die Mutter froh: »Ich glaub's schon,« erwiderte sie, »wenn Gundele es auch sagt, wird es schon werden.«