Im hochgetürmten, altmodisch geschnitzten Bette lag Michael Wisniewski und schlief. Der grüne Kachelofen spendete treulich Wärme und die matte Wintersonne fiel durch das Fenster grade auf Tabeas dunklen Scheitel.
Das Mädchen saß vor dem Bette, die Hände in dem Schoß gefaltet und sah mit dunklen, träumerischen Kinderaugen auf den Schlafenden.
»Wenn er erwacht aus dem Schlaf, werden seine Sinne klar sein,« hatte Vater Abraham gesagt und nun saß das Mädchen und harrte des Augenblicks, da der Fremdling mit dem schönen, bleichen Gesicht die Augen öffnen würde. Das junge Herz des Mädchens war voll Mitleid für den armen blassen Mann, wirr waren die Worte gewesen, die er im Fieber gesprochen. Oft war Tabea erschrocken zurück gewichen, wenn der Kranke so geschrieen und wilde Flüche ausgestoßen hatte.
»Seine Seele ist krank,« so hatte Vater Abraham gesagt und das Mädchen hatte still gefleht:
»Ach, heiliger Gott, gieb ihm auch die Gesundheit der Seele wieder.«
Stille Leute waren es, die in dem Dorfe auf dem Sande wohnten; aus fernen Landen waren ihre Vorfahren, verfolgt um ihres Glaubens willen, hierher geflüchtet, hatten hier ihre Heimat gegründet und lebten weltfern, treu an dem alten Glauben haltend, bei einander.
Vater Abraham, in dessen Haus der Sturm Michael Wisniewski verschlagen hatte, war der Älteste der Gemeinde und genoß hohes Ansehen, nicht allein bei den Seinen, nein, auch aus den Dörfern, die hinter den Sandwällen im blühenden Lande lagen, kamen die Leute zu dem alten Mennoniten und holten sich manch' guten Rat.
Hell flackerte das Feuer in dem großen Kachelofen, vor dem Michael, sorgsam in Decken eingehüllt, saß, knisternd sprühten die Funken und eine trauliche Wärme umgab den Kranken. Rötliches Licht lag schimmernd auf den altmodischen Möbeln und auf den blitzenden Kannen und Krügen, die den Sims zierten.